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Dänischer Rap für Anfänger

Ein Wort in einer fremden Sprache falsch ausgesprochen und schon hat man im Wald einen schönen Hintern gesehen anstatt eines schönen Fuchses. Zoran Leković übt mit seiner Klasse deshalb gleich nochmal den genauen Unterschied zwischen den dänischen Wörtern røv und ræv.

„Røv“, erklärt er und öffnet dabei seinen  Mund um die richtige Zungenstellung zu zeigen. „Nicht ræv.“ Das Wort, das die Klasse dann brav wiederholt ist allerdings nicht das Wort für Fuchs. Thematisch passt  røv, ein dänisches umgangssprachliches Wort für Hintern, nämlich sehr viel besser zum Unterrichtsstoff. Denn anstatt Wegbeschreibungen und Begrüßungen übt Zoran Leković mit seiner Klasse dänischen Rap, dessen Texte, ähnlich wie deutscher Hip-Hop, eher von schönen Körperteilen als  Waldbewohnern handeln. Was auf dem ersten Blick nur nach amüsantem Zeitvertreib aussieht hat allerdings einen pädagogisch sinnvollen Hintergrund.

Rapper sind deutlich

„Durch Rappen kann man seine Aussprache verbessern“, sagt Zoran. „Im Gegensatz zu anderen Musikarten sprechen Rapper die Worte tatsächlich so aus wie sie gesagt werden müssen. Für die meisten der Anwesenden, viele von ihnen internationale Studenten, ist das auch der Hauptgrund wieso sie sich jede Woche abends treffen um gemeinsam dänische Raps einzuüben.

„Ich mag Rap“, meint Stanley aus Singapur. „Und ich will durch das dänische Rappen an meiner Aussprache arbeiten.“ Zeile für Zeile geht er zusammen mit den Rest der Klasse dafür die einzelnen Textzeilen dänischer Raps durch. Zuhören, wiederholen, verbessern, nachrappen, solange bis irgendwann das ganze Lied gerappt werden kann. Ein einfaches Schema, das aber eindeutig helfen kann, die Aussprache zu verbessern, so Zoran.

Der gebürtige Bosnier kam mit zehn Jahren als Flüchtling des Bosnienkrieges nach Dänemark.
„Ich habe früher nachts geweint, wenn ich in der Schule am nächsten Tag laut auf Dänisch vorlesen musste“, erzählt er. „Aber dann hat mir ein Junge aus meiner Klasse eines Tages eine CD mit dänischen Rap ausgeliehen.“

Mit der CD entbrannte in ihm eine neue Leidenschaft.

„Ich mochte die Musik. Ich habe angefangen, selber mit zu rappen“, erinnert Zoran sich. „Und nach ein paar Jahren meinte plötzlich einige Leute ich würde meinen bosnischen Akzent verlieren.“
Zuerst dachte Zoran er sei einfach nur begabt mit Sprachen. „Aber irgendwann wurde mir dann klar, dass es daran lag, dass ich so viel dänischen Rap gehört habe und so meine Aussprache trainiert habe“, sagt er. Die Idee, anderen Leuten durch Rappen beim Sprachenlernen zu helfen entwickelte sich allerdings erst vor ein paar Jahren. Inspiriert wurde er durch einen kanadischen Rapper, der einen Rapsong zum Thema Evolution verfasst hatte.

„Ich dachte mir, wenn man Biologie durch Rap lehren kann, dann doch sicher auch Sprachen“, sagt Zoran. Sein erstes Projekt war dann allerdings nicht mit dänischen Rap, sondern mit deutschen Rap, den er mit einer Jugendgruppe einstudierte. Neben Bosnisch, Dänisch und Englisch spricht Zoran nämlich auch Deutsch. Mit Einschränkung, wie er selbst meint. „Ich kann auf Deutsch rappen, aber ich kann kaum drei Sätze auf Deutsch sagen.“

Samy Deluxe als Sprachlehrer

Genau wie mit dänischen Rap begann seine Begeisterung für deutschen Rap mit einer CD. In diesem Fall mit einer von Samy Deluxe, die ihm ein Cousin, der in München lebte, gegeben hatte. „Ich habe ein Referat in meinem Deutschunterricht über das Lied „Weck mich auf“ gehalten und eine Eins bekommen“, erinnert er sich. „Danach hatte ich auch immer versucht, meine Deutschlehrerin davon zu überzeugen, deutschen Rap in der Unterricht einzubauen, weil ich gesehen habe, dass niemand wirklich aufgepasst hat. Ich war aber nur ein Schüler, ich konnte sie leider nicht überzeugen.“
Deutsch ist in Dänemark, trotz zurückgehender Zahlen, immer noch eine weitverbreitete Fremdsprache in Schulen. Nach seinem ersten Projekt in der Jugendgruppe begann Zoran an einer Schule zu arbeiten. Dort lernte er einen Deutschlehrer kennen und erzählte ihn von seiner Idee, den Deutschunterricht durch Rappen bunter zu gestalten.

Der Lehrer erklärte sich bereit, das Projekt auszuprobieren – und Zorans Idee erwies sich als erfolgreich. Der Deutschlehrer vermittelte Zoran einen Kontakt zum Vorsitzenden der Gewerkschaft von Deutschlehrern in Dänemark. Seitdem rappt Zoran in dänischen Schulen im Deutschunterricht mit Schülern. „Normalerweise sitzen die Kinder nur da, aber mit dem Rap drehen sie richtig auf und rappen dann laut mit. Die Lehrer freuen sich auch darüber, Deutsch hat den Ruf eine langweilige und als Sprache nicht sehr sexy zu sein“, meint Zoran. Was ihn auch freut ist, dass er die Meinung mancher Menschen über Rap ändern kann. „Viele Leute denken Rap wäre nur Schimpfwörter, aber wenn du das richtige Lied auswählst, kann man so viel Poesie und wunderschöne Texte hören“, erklärt er.

Das Projekt an deutschen Schulen möchte Zoran gerne weiterführen und ausbauen. Im Moment versucht er deshalb, Verbindungen zum dänischen Ministerium für Bildung aufzubauen, um dort seine Idee vorzustellen.
Bis es soweit ist, geht es allerdings erst einmal mit seiner ersten großen Leidenschaft, dem dänischen Rap weiter. Das macht Zoran freiwillig und in der Hoffnung seinen Schülern so die Angst zu nehmen, Dänisch zu sprechen.

 

Der schönste Fuchs der Welt

„Ich hab gemerkt, dass Leute, die drei Jahre in Dänemark sind, Dänisch sprechen können aber zu schüchtern sind, vor größeren Mengen zu sprechen, weil sie Angst haben etwas falsch auszusprechen“, erklärt er. Dabei möchte er durch seinen dänischen Rapunterricht helfen.

„Mein Deutschprojekt ist mit jungen Schülern aber auch Studenten und ältere Leute lernen gerne Sprachen mit Reimen und mit Beats“, sagt Zoran. Genau wie Stanley aus Singapur, der nach vielen Versuchen dann auch den Unterschied zwischen  røv und ræv herausgefunden hat und nun nicht mehr über den schönsten Fuchs der Welt rappt.

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