Dale Vince: Copyright: Ecotricity

Dale Vince: Copyright: Ecotricity

Dale Vince: Ein Visionär, der Großbritanniens Energiemarkt umkrempeln will

Der Brite setzt auf eigene Sonnen-und Windstromanlagen. Damit beliefert er ein Netzwerk aus Ladepunkten, das E-Mobilität in Großbritannien zum Aufschwung verhelfen soll. Doch das ist nicht das einzige Projekt, mit dem Vince die grüne Energie auf der britischen Insel etablieren will.

Dale Vince: Copyright: Ecotricity
Dale Vince,
Copyright: Ecotricity

Die Vision, die Dale Vince antreibt, ist schnell erklärt. Der 52-jährige Ökounternehmer beschäftigt sich mit der Frage: „Wie können wir leben, ohne die Umwelt zu zerstören?” Mit seinem Unternehmen Ecotricity will Vince nach und nach den britischen Energiemarkt umkrempeln und setzt dabei auf Innovationen, die ein wenig an den amerikanischen Unternehmer Elon Musk erinnern, der mit seiner Marke Tesla das Elektroauto salonfähig machte.

Dale Vince wurde 1961 im britischen Norfolk geboren. Im Alter von 15 Jahren verließ er frühzeitig die Schule, um für ein Jahrzehnt zu reisen. Während seiner Reise verzichtete Vince auf elektrischen Strom aus der Steckdose, er lebte „off-grid“ wie er dem MMN-Blog erklärte. Seine einzige Energiequelle war eine kleine, tragbare Windturbine. „Diese Erfahrung zeigte mir, was alles möglich ist.“ Die Idee für sein erstes Unternehmen war gefunden.

Grüner Strom machte Vince zum Multimillionär

 

Heute ist Ecotricity einer der führenden Anbieter in Sachen grüner Energie in Großbritannien und beliefert rund 95.000 Haushalte mit Strom aus firmeneigenen Windturbinen und Solaranlagen. Das Model scheint erfolgreich zu sein. So schätzt die britische Website Thisismoney Vince‘ Privatvermögen auf über 100 Millionen Pfund (rund 120 Millionen Euro).Der Umsatz seines Unternehmens liegt laut der Finanzagentur DueDil bei mehr als 65 Millionen Pfund (rund 79 Millionen Euro).

Ein Ladenetz für E-Autos in Großbritannien

Neben mehr grünem Strom will Vince auch die Mobilität der Briten nachhaltiger machen. Mittlerweile hat sein Unternehmen das erstes Großprojekt in Sachen E-Mobilität verwirklicht. Im Jahre 2011 gestartet, soll UK’s „Electric Highway“ dafür sorgen, dass Fahrer von E-Autos keine Angst mehr vor leeren Batterien haben müssen. So wurden Dutzende Ladestellen in Großbritannien und Nordirland an wichtigen Verkehrsadern installiert. Jetzt ist es beispielsweise möglich, vom südenglischen Exeter bis ins 700 Kilometer entfernte schottische Edinburgh zu fahren, ohne in die Gefahr von leeren Akkus zu laufen.

Neben der E-Mobilität will Vince das Problem der Energiespeicherung in Haushalten lösen. Denn auch wenn Wind-und Sonnenenergie gut für die Umwelt sind: Besonders stabil sind beide Energiequellen nicht. Damit auch an dunklen und windarmen Tagen die Stromversorgung nicht zusammenbricht, müssen Speicherlösungen her. Die sind bisher allerdings noch sehr teuer, für kaum einen Haushalt rentieren sie sich. Das will Vince mit seiner „Black Box“ ändern.

Die Box soll eine Art Energiekühlschrank sein, der direkt in der Wohnung installiert wird. Mit dem Internet verbunden soll sie stets die neusten Energiepreise und den aktuellen Bedarf an Strom abrufen. Ist Strom im Überfluss vorhanden, beispielsweise an windigen Tagen, wird er gespeichert, an weniger windigen Tagen gibt die „Black Box“ die Energie wieder ab. Dieser intelligente Mechanismus soll den Energiebedarf eines jeden Haushalts um bis zu 15 Prozent verringern, behauptet Entwickler Vince. Auch wenn er bisher keine Details zu der mysteriösen Box verraten will: Angeblich werden erste Exemplare schon bei einigen Kunden und in der Unternehmenszentrale von Ecotricity im britischen Stroud erfolgreich getestet.

Vince’ Unternehmensführung: Von Investoren kritisiert

Auch wenn Vince an seine Innovationen glaubt: Er sieht die Regierungen in Europa in der Pflicht. „Wir müssen eine Pro-Erneuerbare-Energie-Politik entwickeln und ausbauen um Europa grüner zu machen“, erklärt er auf Nachfrage. Jedoch muss auch Vince an seiner eigenen Unternehmenspolitik arbeiten. Nachdem das Unternehmen mittlerweile schon mehrfach öffentliche Anleihen ausgegeben hat, mehrt sich der Ruf nach einer transparenteren Unternehmensführung. Denn Vince ist alleiniger Inhaber von Ecotricity, gemeinsam mit seiner Frau Kate führt er die Geschäfte.

„Es gibt keinen Aufsichtsrat,  der Vince Entscheidungen hinterfragen könnte“, kritisieren Experten von Blue and Green Investors. Sie zeigen sich zwar von Vince‘ wirtschaftlichen Erfolgen beeindruckt, merken allerdings an, dass es sich bei Ecotricity um ein privates Unternehmen handelt. Das macht das Unternehmen zwar flexibler in Sachen Handlungsspielräumen, die Möglichkeiten der Einflussnahme für Investoren sind allerdings sehr beschränkt.

So ist Vince mit bisher rund 95.000 Kunden zwar noch weit von einer „grünen Revolution“ entfernt. Allerdings spricht sein riesiges Ladenetz für Stromer dafür, dass in Zukunft mehr und mehr Kunden zu Ecotricity wechseln könnten. Sollte es sein Energiekühlschrank außerdem zur Marktreife schaffen, könnte das den Wendepunkt bedeuten.

Denn auch wenn bisher alles noch recht vage ist: Elon Musk und sein Tesla Model S zeigen, dass sinnvolle Innovationen schnell ganze Märkte umkrempeln können. Bei Musk hatten viele auch gezweifelt, dass er ein alltagstaugliches E-Auto bauen könne. Mittlerweile hat Tesla renommierte Autobauer wie BMW und Mercedes in Sachen Verkaufszahlen im Premiumsegment in vielen Ländern überholt.

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