Beitragsbild PEGIDA UK

Das Pegida-Franchise

Führungskrise und Absage der Montagsdemos – die Dresdener Pegida machte in letzter Zeit vor allem durch interne Probleme von sich reden. Trotzdem bilden sich in ganz Europa immer mehr Ableger. Pegida UK ist eine der größten von ihnen. Auf der Insel orientiert man sich ganz am deutschen Vorbild. Und plant für Februar bereits den ersten Protestmarsch.

Am Ende ist er dann doch noch bereit, seinen Namen zu nennen. David heiße er, sagt die Stimme am Telefon. Eine Woche und unzählige Emails hat es gedauert, David für das Interview zu gewinnen. Er sitzt im Führungsteam von Pegida UK. Am 4. Januar erschien die Bewegung mit einer eigenen Facebookseite zum ersten Mal auf der Bildfläche. Seitdem hat sie mehr als 12.000 Likes gesammelt, jeden Tag kommen hunderte hinzu. Doch bei Pegida UK ist man vorsichtig. Vorsichtig, welche Erwartungen man weckt, welche Geister man ruft. Vorsichtig, wie man sich den Medien gegenüber präsentieren soll.

Es ist ein Freitag Abend Ende Januar. David klingt müde. Seine Antworten sind immer wieder von Gähnen unterbrochen. Er habe eine harte Woche hinter sich, viel gearbeitet, erzählt er. Zusammen mit zehn bis 20 anderen Freiwilligen hat David Pegida UK ins Leben gerufen. Darunter seien auch drei Deutsche, erzählt er. Kennengelernt haben sie sich in Anti-Immigrationsforen im Internet. Viele von ihnen haben in Dresden schon mitdemonstriert, auch David. „Das war großartig“, sagt er. Irgendwann sei dann der Wunsch entstanden, eine eigene Pegida-Bewegung für Großbritannien zu gründen.

Unterstützung erhalten David und seine Mitstreiter von der deutschen Pegida. Die Bewegung funktioniert wie ein modernes Franchise-System. Als Pegida bezeichnen darf sich in Europa nur, wer das Vertrauen von Pegida Deutschland erhält. Mittlerweile gibt es Pegidas in Frankreich, Schweden, Italien und vielen anderen europäischen Ländern. Spiegel Online berichtete unlängst von der ersten Pegida Demonstration in Österreich. Laut Davids Aussage kümmern sich drei Organisatoren von Pegida-Deutschland um die anderen Ableger in Europa. „ Das war wie bei einem Jobinterview“, erzählt David. Vorstellung der Bewegung bei den Deutschen. Ansichten, Ideen und Pläne. Vertrauen gewinnen. Schließlich habe es geklappt. Täglich chattet oder telefoniert David jetzt mit den drei Deutschen, fragt nach Ratschlägen und Hilfe.

So eng der Kontakt nach Deutschland auch ist – Pegida UK versteht sich als eigenständige Bewegung. „Wir kopieren die Politik, haben aber unabhängige Organisationsstrukturen“, sagt David. Pegida UK werde nicht von Deutschland aus gesteuert. Dennoch: Die Programmatik ist die gleiche wie beim großen deutschen Bruder, die Selbstdarstellung ebenfalls. Man sei eine Bewegung der Mitte, der Mittelschicht, gegen die Islamisierung Europas aber nicht gegen Muslime an sich.

Das politische Umfeld, in dem Pegida UK agiert, weist dagegen deutliche Unterschiede zu Deutschland auf. Zwar berichten die englischen Medien kritisch über die „pinestripe Nazis“. Doch während sich die deutsche Politik gegen populistische Anti-Immigrations-Parolen bislang weitestgehend verwehrt, sind sie im britischen Mainstream längst angekommen. Die Erfolge der rechtspopulistischen UKip, die bei der Europawahl im vergangenen Mai mit 28 Prozent zur stärksten britischen Kraft wurde, haben auch Premier Minister David Cameron zu einer härteren Linie gegenüber Einwanderern gezwungen.

„Es ist gut, dass sich etwas bewegt“, sagt David. „Wir stimmen mit vielen Forderungen von UKip überein.“ Einen direkten Kontakt zur Partei gebe es aber nicht. Pegida UK geht es vor allem darum, die Anti-Immigrations-Agenda weiter zu bestärken. Schließlich könne man als unabhängige Bewegung deutlichere Worte wählen, als die etablierten Parteien, erklärt David.

„Es ist wichtig, dass wir die Flamme nach Großbritannien tragen“, sagt er. Für den 20. Februar hat Pegida UK daher die erste offizielle Demonstration in Newcastle geplant. Erwartet werden bis zu 3000 Teilnehmer. Die Briten seien es gewöhnt, für ihre Recht auf die Straße zu gehen, sagt David. Bauchschmerzen bereitet den Organisatoren, dass sich Mitglieder der rechtsradikalen English Defence League (EDL) unter die Demonstranten mischen könnten. Schließlich wolle man nicht als rassistische Bewegung wahrgenommen werden. „Wir haben bereits Gespräche mit der EDL geführt und ich bin zuversichtlich, dass sie unsere Demonstration respektieren werden“, erzählt David.

Er ist sich sicher, dass es auch mit der deutschen Pegida weitergehen wird. Vielleicht auch mit britischer Unterstützung. Doch erstmal gebe es ein anderes Ziel: „We need to keep it burning in Britain, no matter what happens in Germany.“

Titelbild: Pegida UK

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