bbb

Ein Jahr im Zeichen der Barmherzigkeit

Sonntag früh hat Papst Franziskus die Heilige Pforte im Petersdom geschlossen. Damit ist das Heilige Jahr offiziell zu Ende. Doch auch wenn das Jubiläum vorbei ist, die Barmherzigkeit soll weiterleben.

Dicht an dicht drängten sich Sonntag die Menschen auf dem Petersplatz, bis hinein in die Via della Conciliazione, um der Schließung der Heiligen Pforte und der Messe zum Abschluss des Kirchenjahres beizuwohnen. Kurz vor zehn Uhr war es soweit – der Papst schloss im Rahmen einer feierlichen Zeremonie die beiden Türflügel und beendete damit das Heilige Jahr. Begonnen hatte das Jubiläum zwölf Monate zuvor, am 8. Dezember, als die Pforte geöffnet wurde.

Papst Franziskus hatte am 13. März 2015 im Petersdom ein außerordentliches Heiliges Jahr angekündigt, „il giubileo della misericordia“ – „das Jubiläum der Barmherzigkeit“. Die Barmherzigkeit sollte so wieder neu in das Bewusstsein der Gläubigen gerückt werden. „Es soll eine Zeit der Gnade für die Kirche sein und helfen, das Zeugnis der Gläubigen stärker und wirkungsvoller zu machen“, schrieb Franziskus damals in der Ankündigungsbulle des Jubiläums.

Das Heilige Jahr geht auf eine hebräische Tradition zurück. Ursprünglich sollte es alle hundert Jahre gefeiert werden. 1475 legte man jedoch einen Rhythmus von 25 Jahren fest, damit jede Generation die Chance hat, zumindest ein Jubiläum zu erleben. Ein außerordentliches Jubiläum, so wie das nun vergangene, gibt es bei besonderen Anlässen und findet außerhalb des festen Rhythmus statt. Das letzte außerordentliche Heilige Jahr fand 2008 statt, das letzte ordentliche Heilige Jahr war das Jubiläum im Jahr 2000.

Ein wichtiger Bestandteil des Heiligen Jahres ist die Heilige Pforte, bei deren Durchschreiten Katholiken eine besondere Vergebung erlangen können. Neben der Pforte des Petersdoms, die am Wochenende geschlossen wurde, gab es in Rom noch drei weitere Kirchen mit Heiliger Pforte. Erstmals gab es jedoch nicht nur Pforten in der italienischen Hauptstadt. Denn der Wunsch des Papstes war es, dass das Heilige Jahr der Barmherzigkeit auch in den Diözesen weltweit intensiv gelebt wird. Deshalb waren die Bistümer eingeladen, ihre eigene Heilige Pforte zu öffnen, sodass jeder, der weit weg von Rom lebt, genauso eine Pilgerfahrt zu Ehren des Jubiläums machen kann. Dass dem Papst an der Kirche außerhalb von Rom gelegen ist, zeigte er auch damit, dass er zu Beginn des Heiligen Jahres noch vor der Öffnung der Pforte im Petersdom eine Heilige Pforte in Zentralafrika öffnete.

10.000 Pforten

Insgesamt existierten etwa 10.000 Heilige Pforten weltweit. Auch in Deutschland errichteten zahlreiche Bistümer Heilige Pforten, oft waren es besondere Kirchentüren in Kathedralen wie etwa im Kölner Dom oder an bekannten Wallfahrtsorten. Eine ganz spezielle Heilige Pforte gab es jedoch auf den Salomoneninseln im Pazifik: Sie kam mittels Ultraleichtflugzeug zu den Menschen überall auf dem Archipel, da die Inseln teilweise weit voneinander entfernt sind. Auch die die Kirche im nordfranzösischen Saint-Etienne-du-Rouvray, die im vergangenen Juli Ort eines Attentats des sogenannten Islamischen Staates wurde, bei dem ein Priester ermordet wurde, erhielt eine Heilige Pforte.

 

 

Einladung statt Ausgrenzen

Während des Heiligen Jahres fanden mehrere große Veranstaltungen statt: Im April feierte Papst Franziskus mit 60.000 Kindern und Jugendlichen das „Jubiläum der Jugend“ in Rom. Die Jugendlichen pilgerten erst zum Petersplatz, dann wurde ihnen die Beichte zwischen den Kolonnaden des Platzes abgenommen. Auch der Papst höchstpersönlich saß auf einem der Plastikstühle und hörte die Beichte. Außerdem richtete Papst Franziskus sein Augenmerk auf die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Anfang November hielt er einen Gottesdienst im Petersdom, bei dem mehr als 1.000 Häftlinge und ehemaligen Gefangene, zusammen mit etwa 3.000 Angehörigen, Gefängnis-Seelsorgern und Wachleuten eingeladen waren. Das hat es davor noch nicht gegeben. Zwar besuchten viele Päpste immer wieder Haftanstalten, jedoch empfing noch keiner Gefangene bei sich. Mitte November hat der Papst zudem für 4.000 Obdachlose und Arme aus rund 20 Ländern eine Messe gelesen und ihre Ausgrenzung aus der Wohlstandsgesellschaft beklagt. 600 davon kamen aus Deutschland. Franziskus, der eine Kirche für die Armen möchte, wollte so auf die Situation obdachloser Menschen hinweisen. „Das Heilige Jahr war eine Rückkehr zum Essenziellen“, sagte der Papst im Rahmen der Messe. Eine Rückkehr zur Barmherzigkeit, die ihm persönlich sehr am Herzen liegt.

 

Ansturm bleibt aus

Zwar haben während des Jubiläums etwa 22 Millionen Menschen die Heilige Pforte des Petersdoms überschritten. Trotzdem blieb aber der große Ansturm aus. So viele Touristen und Pilger wie ursprünglich erwartet, kamen nicht – ein Grund möglicherweise die Angst vor Terroranschlägen.

In den vergangenen Tagen fanden in zahlreichen Diözesen Abschlussgottesdienste zu Ehren des Jubiläums statt, auch dort wurden die Heiligen Pforten geschlossen. Nun, ganz zum Schluss, auch die in Rom. Doch auch wenn das Heilige Jahr zu Ende ist, mit der Barmherzigkeit sei damit nicht Schluss, betonte Papst Franziskus am Sonntag bei der Messe: „Auch wenn sich die Heilige Pforte schließt, für uns bleibt die wahre Pforte der Barmherzigkeit immer weit offen – das Herz Christi.“

Die Debatte Keine Kommentare