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“Eine verlorene Generation”

bored-16811Ins Herz von Europa – nach Brüssel – zieht es viele junge Arbeitssuchende der „Erasmus-Generation“. Obwohl sie aus dem Süden, Norden, Westen und Osten Europas kommen, verschiedene Sprachen sprechen und alle einen anderen kulturellen Hintergrund haben, suchen sie fast alle nach dem Gleichen: nach einem Job. 23,2 Prozent der Unter-25-Jährigen in der EU würden gerne arbeiten, finden aber keine Stelle. In Griechenland und Spanien sind es sogar mehr als doppelt so viele. Zehn junge Europäer, die ein Traineeship beim Europäischen Parlament machen, haben erzählt, wie junge Menschen in ihren Ländern mit der Arbeitssituation umgehen.

Von Franziska Broich

Griechenland (57,9 Prozent Jugendarbeitslosigkeit)

Rania Sakkoula, 32, Kozani

„In Griechenland ist die Jugendarbeitslosigkeit am höchsten. Wir sind eine verlorene Generation, gefangen in den falschen Entscheidungen, Sparmaßnahmen und keiner Aussicht auf Entwicklung. Wir haben viel Energie und Kreativität, aber uns sind die Hände gebunden. Wir können nicht in der Würde leben, die wir verdient hätten. Wie gehen wir mit der Arbeitslosigkeit um? Ich persönlich habe mein Land verlassen, wegen den besseren Berufsaussichten, aber das ist nur eine vorübergehende Lösung. Meiner Meinung nach müssen wir Solidarität in Europa neu definieren.“

Spanien (55,2 Prozent)

Cristina Gallardo, 25, Santander

„Arbeitslosigkeit ist ein großes Thema in meinem Land. Wir sind verzweifelt und frustriert, weil wir glauben, dass es nicht fair ist. Wir suchen Jobs im In- und Ausland. Die meisten meiner Freunde sind schon ins Ausland gegangen. Aber es ist nicht so einfach und wir müssen Rassismus tolerieren und schlimme Kommentare über Menschen aus Südeuropa. Mit solchen Kommentaren waren wir vorher nicht konfrontiert. Die meisten meiner Freunde, die noch in Spanien sind, finden keine Jobs. Sie arbeiten als Trainees, unbezahlt, mehr als fünf Stunden am Tag, und das über längere Zeiträume. Viele erhalten finanzielle Unterstützung von ihren Eltern. Und ich glaube nicht, dass es so sein sollte. “

Kroatien (51,6 Prozent)

Andrea Hržić, 23, Rijeka

„Die Jugendarbeitslosigkeit in Kroatien ist so hoch wie nie. Studenten finden keine Jobs, viele arbeiten in Bars oder kleinen Läden, manche studieren sogar verschiedene Fächer gleichzeitig. Mit dem Eintritt in die Europäische Union hoffen nun viele, dass sie ins Ausland gehen können und dort einen Job finden.“

Italien (36,9 Prozent)

Marta Nathansomn, 24, Milan

„Junge Italiener, die die Möglichkeit haben, das Land zu verlassen, suchen Arbeit im Ausland. Denn selbst mit den richtigen Qualifikationen findet man im Moment keinen zufriedenstellenden Job.“

Irland (30,3 Prozent)

Simon Mc Keagney, 26, Dublin

„Emigration ist zurück in Irland, dem Land, was eine lange Geschichte von Migration hat. 250.000 Menschen haben Irland verlassen als Ergebnis der Wirtschaftskrise. Wir warten darauf, dass Europa das Problem löst, denn wir glauben, dass die Iren und die irische Regierung nur wenig machen können, sondern ein größeres Wachstumspaket aus Europa kommen muss. “

Bulgarien (28,4 Prozent)

Andrey Anastassov, 25, Sofia

„Junge Menschen versuchen, Jobs zu finden in ihren Studienbereichen. Aber sie müssen natürlich flexibel sein und Jobs annehmen, die vielleicht nicht mit ihrem Studium verbunden sind.“

Frankreich (25,4 Prozent)

Nathalie Breysse, 23, Lyon

„Ich weiß, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich hoch ist, aber ich persönlich merke es nicht. Manche meiner Freunde haben keine Arbeit, aber nicht so viele. Einer der Gründe könnte das Studienfach sein oder wie viele Jahre jemand studiert hat. Also ich persönlich spüre die Krise nicht.“

Schweden (24,1 Prozent)

Evelina Åström, 30, Sweden, Örebro

„Ich glaube nicht, dass die Situation schlechter ist, als sie war. Es gibt viele Arbeitslose, besonders Akademiker und junge Leute, die von einem Job zum anderen wechseln, weil sie keine Festanstellung bekommen. Das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem.“

Großbritannien (20,7 Prozent)

Bryony Clarke, 23, Horsham

„Studenten versuchen, so viele Praktika zu machen wie sie können. Und ich glaube, viele sind darauf vorbereitet, umsonst zu arbeiten. Für die Generationen vor uns wäre das wahrscheinlich undenkbar gewesen, aber ein guter Abschluss und ein paar Praktika garantieren dir gar nichts. Junge Menschen sind verzweifelt und arbeiten noch härter an sich.“

Malta (14,5 Prozent)

George Saliba, 24, Valletta

„Die Jugendarbeitslosigkeit in Malta ist nicht so hoch wie in anderen europäischen Ländern. Jungen Leuten wird jede Möglichkeit gegeben, einen Job zu finden. Und die Regierung unterstützt junge Menschen mit Jobtrainings. Deswegen glaube ich, dass man einen Job in Malta finden kann, wenn man es wirklich möchte.“

Die Zahlen stammen von der Europäischen Union und Eurostat. Link: Jugendarbeitslosigkeit