Pure Verzweiflung. Syrische Flüchtlinge in einem Lager nahe der Heimat.   Foto: Sendker

Pure Verzweiflung. Syrische Flüchtlinge in einem Lager nahe der Heimat. Foto: Sendker

Eins, zwei, drei, Flüchtling

Libanese, Libanese, Libanese, Flüchtling. Jeder vierte Mensch im Libanon ist ein Flüchtling. Ein paar davon haben uns ihre Lebenswirklichkeit gezeigt. So entstand eine Fotoausstellung, die am 10. November Premiere gefeiert hat.

Der Libanon ist ein kleines Land, gerade einmal halb so groß wie Hessen. Dennoch gilt es als Stabilisator im Nahen und Mittleren Osten. Manche sagen, dass der Iran das Land ruhig hält. Vielleicht fungiere der Libanon auch als Rückzugsort für politische und terroristische Gruppen: Der Libanon also als Dreh-und Angelpunkt für geheime Gespräche, Informationsbörse und Planungszentrum. Andere machen die Regierung für die relativ stabile Lage verantwortlich – ein Triumvirat aus Christen, Sunniten und Schiieten, inklusive der libanesischen Hisbollah.

Foto: Marion Sendker

Die Zahl der Menschen im Libanon wächst rasant . Die meisten neuen Bewohner sind Flüchtlinge. In der Regel stammen sie aus dem Nachbarland Syrien. Offiziellen Schätzungen zufolge sind es mindestens 1,5 Millionen Menschen, die Dunkelziffer liegt wohl höher – schon längst wird nicht mehr jeder registriert. Der Libanon ist für sie ein zu Hause auf Zeit. Viele leben in Lagern, ganz nah an der syrischen Grenze. So nah, dass sie mit ihrer syrischen Sim-Karte noch telefonieren können. Diese Nähe zerreißt vielen das Herz. “Syrien ist so nah, aber weit genug entfernt”, fasst der Gouverneur der Bekka-Ebene zusammen. Hinter den Bergen der Ebene liegt Syrien; vor den Bergen ein Flüchtlingslager der Vereinten Nationen. Eine Wasserstelle, zwanzig Zelte, 300 Menschen.

 

 Den Tränen nahe

Bild:  Marion Sendker
Foto: Marion Sendker

Eine von ihnen ist Djamila Divo. Im Gespräch mit uns kann sie ihre Tränen kaum zurückhalten. Sie erzählt uns, wie ihre Wohnung in der syrischen Stadt al-Hasaka von Bomben zerstört wurde. Schnell ist die Frau geflohen –  zusammen mit Sohn, Schwiegertochter und Enkeln. Keine Zeit mehr, um Hab und Gut aus den Trümmern zu suchen. In den Libanon mitnehmen konnten sie nur das, was sie am Körper trugen und die Erinnerungen an ihr Leben vor den Bomben.

Das ist jetzt zwei Jahre her. Seitdem lebt die Familie in einem Zelt, etwa 20 Kilometer Luftlinie von ihrer Heimat entfernt. Djamila Divo wartet. Die 68-jährige wartet auf das Ende; vom Krieg oder vom Leben. Weiter weggehen, vielleicht nach Deutschland kommt für sie nicht in Frage. Sie will zurück. “Wahrscheinlich werde ich hier sterben”, sagt sie aber und schaut geradeaus, ohne etwas zu sehen.

Immerhin sind sie und ihre Familie am Leben, gibt sie zu. Aber was für ein Leben ist das? “Ich will es am liebsten der ganzen Welt mitteilen, wie es um meine Kinder bestellt ist: Es fehlt an den Grundlagen für ein würdiges Leben.”

Djamila Divo ist eine von unzähligen. Wir haben sie getroffen, als wir ihr Flüchtlingslager im Sommer 2015 besucht haben.

 

Auf einer Reise durch den Libanon sind wir noch anderen Flüchtlingen und anderen Lagern begegnet. Es sind nicht nur Syrer, für die der Libanon eine neue, gezwungene Wahlheimat geworden ist. Weitere Bilder können Sie sich kostenlos und deutschlandweit in der Wanderausstellung “So nah aber weit genug” der Konrad-Adenauer-Stiftung anschauen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Debatte 1 Kommentar

  1. 1. Mut zur Integration ist gefragt

    Integrieren wollen sich die wenigsten, denn das steht nicht im Koran und dass sieht er auch nicht vor, eher ist es umgekehrt das Deutschland Europa verändert wird in Richtung Islam. Denn das ist das Ziel des Islam seine Glaubensstruktur auszuweiten auf der ganzen Welt und gegen die Ungläubigen vor zu gehen. Das sich die meisten EU-Staaten weigern Flüchtlinge aufzunehmen kann ich voll verstehen, denn die verschließen nicht die Augen und wissen was für Probleme im Land auf sie zukommen. Da beißt die Frau Merkel auf Granit mit ihrer Einstellung. Die Probleme von Syrien, Irak etc. sind durch die Flüchtlinge nicht gelöst, sie sind nach Europa Deutschland verlagert worden.