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Euro? Find ich gut!

Eine neue Studie zeigt: Die deutschen Unternehmen bekennen sich immer stärker zum Euro. Ideen, die die europäische Währung bedrohen könnten, lehnen sie ab. 

Von Selina Marx

Foto: LinksmanJD (www.flickr.com)
Foto: LinksmanJD (www.flickr.com)

Optimismus ist eine Eigenschaft, die den Deutschen selten bis nie zugeschrieben wird. Umso mehr erstaunt es, wie positiv deutsche Unternehmen die Gegenwart und die Zukunft des Euro bewerten. In der jüngsten Studie der Kienbaum-Unternehmensgruppe aus Berlin haben mehr als 100 Führungskräfte aus mittelständischen und großen Unternehmen ihre Meinung zur Eurokrise, zur Zukunft des Euro und zu aktuellen politischen Entscheidungen geäußert. Ihr Fazit: Uns geht es wirtschaftlich sehr gut – nicht zuletzt wegen des Euro.

„Die positive Grundstimmung der Unternehmen zum Euro hat uns nicht überrascht“, erklärt Studienleiter und Kienbaum-Hauptstadtrepräsentant Thorsten Alsleben. „Überraschend fanden wir aber, dass die Unternehmen sich noch stärker zum Euro bekennen als bei unserer letzten Studie vor zwei Jahren.“ Damals hatten nur 36 Prozent der Befragten die Auswirkungen des Euro als gut fürs Geschäft bewertet. In der aktuellen Umfrage waren es bereits 48 Prozent. Die Gründe für diese positive Entwicklung sieht Professor Tim Lohse von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht im Zeitfaktor und in den richtigen politischen Signalen. „2011 war der Umgang mit strauchelnden Euro-Staaten noch vergleichsweise neu. Konzepte wie der zunächst temporäre Rettungsschirm EFSF und sein dauerhafter Nachfolger ESM waren ohne Vorbild, und entsprechend groß war die Unsicherheit über den Fortbestand der Eurozone.“ Heute, zwei Jahre später, sei klar, dass die europäischen Regierungen, die EZB und die EU wohl nahezu alles unternehmen würden, um den Fortbestand der Eurozone sicherzustellen.

Gleiches gilt inzwischen offenbar auch für die Unternehmer. In der Kienbaum-Umfrage lehnen sie alle Maßnahmen und Ideen ab, die den Euro bedrohen könnten. Die eurokritische Partei „Alternative für Deutschland“ wird als „medial überbewertet“ abgetan; eine Spaltung der Euro-Zone beispielsweise in Nord- und Südteil ist nur für 30 Prozent eine annehmbare Lösung. Dabei wären die rein wirtschaftlichen Folgen eines Austritts bestimmter Mitgliedsstaaten gar nicht so gravierend, erklärt die Studie. Sollten Wackelkandidaten wie Griechenland, Irland, Spanien, Zypern oder Portugal tatsächlich aus der Währungszone austreten, wären die Folgen für den deutschen Export zunächst nur geringfügig spürbar, denn 2012 gingen lediglich 12 Prozent aller Euro-Zonen-Exporte in diese Länder. Bezogen auf die gesamten deutschen Exporte waren es sogar nur rund 4 Prozent. Doch Kritiker bemängeln diese Verknüpfung als naiv. Ihrer Meinung nach zöge der Austritt von Euro-Ländern eine tiefgreifende Rezession nach sich, unter der auch Deutschland zu leiden hätte. Laut Steffen Kampeter, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, ist diese Diskussion ohnehin müßig. „Die Integrität der Währungsunion steht heute und auch in Zukunft nicht zur Debatte. Das Modell eines kleineren Euroraums ist für uns keine Option“, macht er unmissverständlich klar.

Und noch wachsen Export und Volkseinkommen in Deutschland ja auch beständig. Von ersterem profitiert vor allem die Industriebranche. Entsprechend fällt das Urteil der Befragten aus: Mehr als zwei Drittel der Führungskräfte aus der Industrie (71,4%) sind mit der jetzigen Situation zufrieden. Der Euro beeinflusse ihre Geschäftstätigkeit positiv oder habe wenigstens keine negativen Auswirkungen. Doch Professor Lohse warnt vor zu viel Lob für den Euro. Die Währungsunion sei sicherlich nicht der alleinige Grund für die aktuelle Situation. Vielmehr sieht er „strukturelle Reformen, aber auch eine moderate Lohnentwicklung“ in Deutschland als Ursache der hohen deutschen Wettbewerbsfähigkeit.

Ist der aktuelle Boom folglich eine Konsequenz politischer Entscheidungen? Die Mehrheit der Befragten scheint dies für plausibel zu halten, wie die guten Werte der schwarz-gelben Regierung belegen. Deren Krisenmanagement wurde von der Mehrheit der Führungskräfte (59,8%) als „klug und effizient“ beurteilt. Das dürfte Merkel und Co. besonders im Hinblick auf den Herbst freuen. Gleichzeitig sagten nämlich mehr als zwei Drittel (75,6%), dass Finanz- und Wirtschaftskompetenz, die sie einer Partei zuschreiben, entscheidenden Einfluss auf ihre Wahlentscheidung haben.

Kritisch sehen die Unternehmen noch die Euro-Bonds. Dagegen sträuben sich 78 Prozent der Befragten. Aber ein überraschendes Ergebnis lieferte die Umfrage hinsichtlich des Vorschlags von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, die Kompetenzen der Nationalstaaten im Bereich der Wirtschafts- und Finanzpolitik zu Gunsten der EU zu beschränken. Eine relative Mehrheit (49%) stimmte dem Vorstoß des CDU-Politikers zu. Das sind demnach mehr als die 45 Prozent der Befragten, die die Verantwortung weiterhin in der BRD verankert sehen wollen. Sicherlich wird diese positive Haltung auch durch die wirtschaftliche Entwicklung in Europa befördert. Laut Eurostat rechnen Experten zum ersten Mal seit über einem Jahr mit einem Plus von 0,2 Prozent für das zweite Quartal 2013 in der EU.

Die Debatte 1 Kommentar

  1. 1. Euro ist nicht wegzudenken

    Dass der Euro heute, auch nach schwierigen Zeiten, auf so viel Zustimmung trifft, ist keinesfalls überraschend. Nach dem US-Dollar ist er mittlerweile die wichtigste Währung im Wirtschafts-handel und ist weltweit anerkannt. Dass er die “Euro-Krise” überstanden hat und danach über die Stabilisierung hinaus weiter an Stärke gewonnen hat, zeigt, wie belastbar er ist und gibt den Bürgern zusätzlich Sicherheit. Menschen sind außerdem Gewohnheitstiere und haben sich schon vor Jahren mit der Währung abgefunden. Warum sollten sie also gerade heute, wo doch die schweren Zeiten überstanden sind und der Euro wieder hoch im Kurs steht, die Währung anzweifeln?
    Außerdem kann man für die Wirtschaftskrise und die immer noch hoch verschuldeten Länder wie Griechenland oder Spanien, nicht immer nur den Euro allein verantwortlich machen, wie es oft getan wird. Man sollte dabei eher gucken, wie mit dem Geld umgegangen wird und welche wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen worden sind.
    Dass man hinsichtlich der Eurobonds etwas tun muss, steht für mich außer Frage. Denn Deutschland hatte bisher stets den größten Teil dazu beigesteuert, obwohl wir selbst hoch verschuldet sind und den Resonanzen nach zu urteilen, können wir solch eine Hilfe auch nicht von vielen erwarten. Der Unmut hinsichtlich der großen finanziellen Aufwände in dem Bereich wirkt sich auch negativ auf den Euro aus, allerdings weniger wirtschaftlich, sondern insofern, dass er stellvertretend für die Gemeinschaft der EU-Länder steht und diese dadurch geschwächt wird.
    Man sollte im Endeffekt also den Euro an sich nicht in Frage stellen, sondern vielmehr wie damit wirtschaftlich sowie gesellschaftlich umgegangen wird.