German Conference at Harvard 2014-113neu

Frackst du schon oder verbrennst du noch Kohle?

Während man in Europa noch die Ergebnisse von zahlreichen Studien abwartet, reduzieren die Amerikaner schon fleißig ihren Kohleverbrauch und verbessern damit nebenbei ihre CO2-Bilanz. Der Großeinstieg der USA in das Fracking hat aber Auswirkungen bis über den Ozean, denn die Kohle, die die Staaten nicht mehr selber verbrennen, können sie nun billiger anbieten als andere.

Deutschland verbrennt trotz Energiewende fleißig Kohle, denn es gibt im Moment einfach keine Alternative, um den Strombedarf zu decken. Das könnte in Zukunft sogar noch mehr werden, warnt das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut in einem Bericht vom August 2013. Energiegewinnung aus Kohle wird wieder attraktiver, weil die USA ihre Kohle nun billig verkaufen kann. Während im September 2011 eine US-Tonne metallurgische Kohle noch im Durchschnitt 197,24 USD gekostet hat, kostete sie 2013 um die gleiche Zeit nur noch 111,73 USD.

Rasanter Wandel

Nur noch 37 Prozent des Gesamtstroms produzierte Amerika 2012 mit Kohlekraftwerken, während es 2005 noch 50 Prozent waren, stattdessen nutzen sie Erdgas aus Fracking. Dabei werden kilometertiefe Löcher in die Erde gebohrt, um dann mit Hochdruck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien hinein zu pumpen. Damit werden Schiefergesteinsschichten aufgebrochen und das darin eingelagerte Gas gewonnen.

Fracking hat Amerika geholfen, seine CO2-Emissionen seit 2005 um zehn Prozent zu senken. US-Experte Prof. Henry Lee von der Harvard Kennedy School sieht deshalb große Chancen im Fracking. Gefracktes Erdgas könnte als Energiequelle genutzt werden, bis erneuerbare Energien, wie Wind und Solar-Energie wettbewerbsfähig sind. Fracking könnte als sogenannte Brückentechnologie dienen. „Es ist unrealistisch, eine Energiewende einführen zu wollen und CO2-Emmissionen zu vermindern, ohne einen Plan zu haben, wie man den Strombedarf decken kann“, sagt der Experte für Energiepolitik.  Man brauche eine Energietechnologie, die wettbewerbsfähig ist.

Europa bleibt skeptisch

Amerika macht vor, welchen Nutzen Fracking haben kann. Ein Szenario, dass für Europa sehr unwahrscheinlich ist. Die Europäer sorgen sich vor allem um das Methan, das beim Fracking frei wird und darum, dass das Grundwasser stark verschmutzt werden könnte. Beim Fracking werden mehr als 200 verschiedene Chemikalien und Biozide eingesetzt, die schwere Leber- und Nierenschäden verursachen. Außerdem kann das Frackwasser radioaktive Stoffe, giftige Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle an die Oberfläche fördern, die sich natürlicherweise im Untergrund befinden.

In Amerika werden die Gefahren des Frackings eher gering eingeschätzt. Lucas Schoeppner hat von der US-Regierung ein Stipendium bekommen, um die Chancen für Fracking in Europa zu untersuchen. Er glaubt, dass viele Europäer sich beim Fracking querstellen, weil sie eine Fracking-Stelle „not in my backyard“ -nicht in ihrem Hintergarten – haben möchten. Prof. Lee erklärt zudem, dass der Unterschied in der europäischen im Vergleich zur amerikanischen Einstellung zum Fracking auch historische Gründe hat. „Die Staaten haben eine lange Geschichte mit der Erdgas-Gewinnung und schon lange die Infrastruktur für die Nutzung von Erdgas. In Europa hat man kaum eine Vorstellung, was Fracking eigentlich genau ist.“

Deutschland als Vorbild

Obwohl Prof. Lee Fracking als Brückentechnologie begrüßt, sagt er, man müsse auch überlegen wohin die Brücke führe. „Die USA haben großes Potential Energie zu sparen, aber leider haben wir kaum Erfolg damit, unsere Bevölkerung davon zu überzeugen.“ Im Hinblick auf den negativen Effekt, den Fracking auf Europas Klimabilanz haben könnte, sagt er, dass ihn das wirklich traurig macht. „Manchmal wünschte ich, dass wir im Hinblick aufs Klima viel deutscher wären.“ Er freut sich über die Entschiedenheit der Deutschen, die Energiewende voranzutreiben und ist dankbar von der Erfahrung der Deutschen profitieren zu können.

 

 

 

 

 

 

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