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Freihandelsabkommen CETA: Unfairer Deal, oder „ein Segen“ für Kanada?

Käse ist ein teurer Spaß in Kanada. Ein 340-Gramm-Beutel Pizza-Mozzarella kostet im Supermarkt fast zehn Dollar, ein 200-Gramm-Brie fast sieben, und ein Zwölfer-Beutel Babybel um die elf Dollar. Deutsche Kunden zahlen einen Bruchteil davon – für 200 Gramm Brie beispielsweise etwa 1,60 Euro, umgerechnet 2,43 kanadische Dollar. Doch das soll sich bald ändern: Durch das Freihandelsabkommen CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement), auf das sich Kanadas Premierminister Stephen Harper und der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, am 18. Oktober 2013 geeinigt haben. Sobald das Abkommen in vermutlich zwei Jahren ratifiziert ist, sollen im Waren- und Dienstleistungshandel auf beiden Seiten für rund 98% der Güter die Zölle komplett wegfallen. Bei den Dienstleistungen werden nur solche weiter verzollt, die essentiell für das Sozialsystem des jeweiligen Landes sind, wie im Gesundheits- und Bildungssektor. Damit könnte schon relativ bald zollfreier, viel günstigerer EU-Käse in den kanadischen Kühlregalen liegen.

Kein Wunder, dass die Milchbauern und Käsehersteller im Land deshalb zu den schärfsten Gegnern des Deals gehören, dessen Verhandlung nicht zuletzt wegen Uneinigkeiten über Fleisch und Milchprodukte vier Jahre gedauert hat. Kritik kommt vor allem aus dem östlichen Québec, denn nach Angaben der Québec Milk Producers’ Federation (QMPF) produziert die Provinz momentan mehr als die Hälfte des gesamten kanadischen Käses. Noch werden nach Angaben des Canadian Dairy Information Center (CDIC) jährlich mehr als 13.000 Tonnen europäischen Käses importiert, diese Zahl soll sich aber mehr als verdoppeln. So steht es in einer Zusammenfassung der kanadischen Regierung. Die mehr als 12.000 Milchwirtschaftshöfe in Kanada könnten nach Berechnungen der Lobbyorganisation Dairy Farmers of Canada (DFC) durch CETA pro Jahr insgesamt 150 Millionen Dollar weniger verdienen, weil ihre teuren Käse nicht mit den Niedrigpreisen der EU-Produkte mithalten könnten. Da hilft es auch wenig, dass die Regierung angeblich Entschädigungen zahlen will.

Die hohen kanadischen Käsepreise werden durch  ein System festgesetzt, das feste Quoten für kanadische und ausländische Milchprodukte vorschreibt. Sobald letztere überschritten wird, müssen Importeure lächerlich hohe und ergo unrentable Gebühren zahlen. Bei Käse beispielsweise liegt die entsprechende Rate bei 246 %. Würde ein EU-Importeur also einen Käse einführen wollen, obwohl die entsprechende Quote schon erfüllt ist, müsste er mehr als den doppelten Preis an Gebühren zahlen.  Ausländische Konkurrenz hat so keine Chance, und die inländischen Farmer können die Preise oben halten –  bis zur CETA-Ratifizierung. Damit verlieren die kanadischen Milchbauern sozusagen ihr Hausrecht. Die Folge sei ein unfairer Wettbewerb, meint DFC. Denn anders als Europäer bekämen die Kanadier keine staatlichen Subventionen. Außerdem seien die Produktions- und Verarbeitungskosten in Kanada viel höher als in der EU, da viele kleine Käsereien übers oft dünn besiedelte Land verstreut seien und anders als in Europa weite Wege zu den Verbrauchern zurückgelegt werden müssten.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die in der EU geschützten Herkunftsbezeichnungen, von denen Kanada per CETA eine ganze Reihe anerkennen wird. In der EU muss ein Roquefort-Käse aus Roquefort und Parma-Schinken aus Parma kommen – ein Problem für die kanadischen Hersteller, die Roquefort und Parma-Schinken im eigenen Land produzieren. Wenn sie ihre Produkte künftig in die EU verkaufen wollen, müssen sie die Herkunft kennzeichnen, z.B. mit dem Etikett ‘Roquefort-ähnlich’. Und wie sehr das einen europäischen Kunden reizt, wenn der ‘echte’ Roquefort neben dran liegt, ist fraglich.

Freudiger begrüßt wurde CETA in der westlichen Provinz Alberta, mit fast 39.000 Rinderfarmen Kanadas „cattle country“. Die kanadische Exportquote für Rindfleisch nach Europa soll mit CETA von bisher 15.000 auf insgesamt fast 65.000 Tonnen jährlich steigen. Der Interessenverband Canadian Cattlemen’s Association feierte das „lang erwartete Abkommen“ als „Segen für Kanadas Rindfleischindustrie“. Wermutstropfen hier: Fleisch für EU-Konsumenten muss anders als in Kanada hormonfrei sein. Farmer, die exportieren wollen, müssen dafür also ihre Produktion umstellen. Das wird zwar teurer, weil Rinder, die zusätzliche Hormone bekommen, schneller wachsen und weniger fressen. Die Rinderfarmer sind trotzdem zuversichtlich, in Europa ein gutes Geschäft zu machen.

Der Einzelhandel könnte währenddessen von weniger Bürokratie dank vereinheitlichter Einfuhrbestimmungen profitieren. Mona Krause, deren Familie im westkanadischen Edmonton in dritter Generation ein Geschäft mit europäischen, vor allem deutschen, Lebensmitteln betreibt, hofft darauf, dass CETA die Zollkontrollen vereinfachen wird. Die europäischen Produkte, die sie von kanadischen Zwischenhändlern bezieht, würden oft vom kanadischen Zoll zurückgeschickt, weil z.B. Konserven falsche Abmessungen hätten oder Kosmetika als Gefahrgüter eingestuft würden. Zur Zeit wartet sie auf eine Ladung Fisch, die schon seit Wochen beim Zoll in Vancouver liegt. „Wenn sich da was ändert, würden uns das definitiv sehr nützen“, sagt sie. Die Verbraucher ihrerseits dürften sich freuen, wenn Pizzakäse kein Luxusgut mehr ist. Die Milchbauern werden derweil weiter protestieren.

 

 

Egal ob -wie hier- importiert oder nicht: Käse ist ein teurer Spaß in Kanada. Mit dem Freihandelsabkommen CETA zwischen Kanada und der EU soll sich das ändern.

 

 

Die Debatte 1 Kommentar

  1. 1. jak

    wier milchbauern werden uns ruesten ;ich glaube und hoffe das unsere michquota bald weg ist wier haben genug land und ich glaube wier werden neuseland abloesen denn ein stallbau kostet weniger als michquote kaufen