“Ganz nah – aber weit genug”

Es ist der Versuch, eine Nahaufnahme der Situation von Flüchtlingen im Libanon zu zeigen – “Ganz nah, aber weit genug” ist der Titel der Fotoausstellung von zehn Stipendiaten der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) der Konrad-Adenauer-Stiftung. Seit diesem Monat wird die Ausstellung in verschiedenen deutschen Städten gezeigt. Los ging es in Berlin, zurzeit steht Sankt Augustin auf dem Programm, danach geht es nach Bielefeld, Bad Honnef und Andernach.

Während in Europa die steigende Zahl der Asylsuchenden und der Umgang damit die Diskussionen beherrscht, sind in den unmittelbaren Nachbarländern Syriens, wie dem Libanon, die Zustände für viele Flüchtlinge katastrophal. Die Ausstellung zeigt die Bedingungen unter denen Palästinenser, Armenier aber vor allem Syrer direkt hinter ihrer eigenen Landesgrenze leben. Neben den Bildern aus den Flüchtlingslagern werden aber auch Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft gezeigt, die die Fotografen vor Ort zu Hintergrundgesprächen trafen.

Die folgenden Bilder sind nicht in der Ausstellung zu sehen, stammen aber ebenfalls von den Stipendiaten der Stiftung. Aufgenommen wurden sie in einem Lager in der Bekka-Ebene, direkt an der syrischen Grenze. Eine scheinbar gefährliche Nähe, die den Ausstellungstitel erklärt.

Die Ausstellung wurde in der Akademie der KAS in Berlin eröffnet. Diese hatte zeitgleich einen prominenten Gast. Fuad Siniora, ehemaliger Premierminister des Libanon und stellvertretender Vorsitzender der Future Movement Partei hielt eine Rede über die Herausforderungen vor denen der Libanon zurzeit steht. Als direkter Nachbar Syriens ist der Libanon eines der Hauptaufnahmeländer für Menschen, die vor dem Krieg fliehen. Geschätzte 1,5 Millionen Flüchtlinge sind bereits aus Syrien gekommen.

Neben dem Flüchtlingsansturm befindet sich das Land zudem in einer innenpolitischen Krise, seit knapp eineinhalb Jahren ist es ohne Staatsoberhaupt. Eine Zerreißprobe für das Land, so Fuad Siniora. Gemeinsam mit dem Westen müsse man nun geschlossen als Welt- und Wertegemeinschaft gegen die Terrormiliz IS vorgehen und: “ISIS ist vor allem das Ergebnis mangelnder Bildungsinvestitionen und den Auswirkungen von autoritären Herrschaften im Nahen Osten” erklärte Fuad Siniora. Darüber hinaus müsse die Gewalt, die den Nahen Osten seit Jahrzehnten beherrscht, ein Ende finden: “Sieben von 16 Kriegen weltweit finden im Nahen Osten statt – es ist kein Zufall, dass Syrien der Top-Exporteur von Flüchtlingen ist”, so Siniora.

Der verheerende Bombenanschlag gegen Schiiten im Süden Beiruts macht aktuell deutlich, wie fragil die Lage vor Ort ist.
Nähere Informationen zu den Ausstellungszeiten und –orten gibt es unter: journalisten-akademie@kas.de.
 

 

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