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Glaubensbekenntnisse

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Vatikan spielt Glauben in Italien eine wichtige Rolle. Rund 90 Prozent der italienischen Bevölkerung sind getauft. Seit jeher hat die katholische Religion die Geschichte, Kunst und Kultur des Landes geprägt. Doch wie sieht es in Zukunft aus? An was glauben die italienischen Jugendlichen?

Von Anna Klein

Tiziana_2Die 22-jährige Tiziana Gammarotta ist ein regelmäßiger Gast in der sonntäglichen Messe der Pfarrei Santa Maria del Suffragio. Für ihr Studium der politischen Kommunikation zog sie aus ihrer Heimat Pisa nach Mailand. Bei ihrer Ankunft war die Kirche in der Nachbarschaft eine ihrer ersten Anlaufstationen. Denn der Glaube an Gott spielt im Leben der Studentin eine große Rolle. Sie vertraut auf Gott und versucht ihr Leben aktiv nach christlichen Werten zu gestalten. Damit ist sie in Italien nicht allein: Rund 20 Prozent der Bevölkerung geben an, regelmäßige Kirchengänger zu sein. Die 22-Jährige hat sich aber auch Jahre lang in ihrer Pfarrei engagiert, bei Kindergottesdiensten oder der Armenspeisung. Doch damit stieß sie nicht nur auf Akzeptanz: Viele ihrer Freunde belächelten sie wegen ihres Glaubens. Heute, an der Universität, sind die Menschen toleranter, sagt sie.

 

 

Andrea_1Doch Italiens Jugend glaub nicht nur an Gott. Viele Jugendliche interessieren sich stark für Politik. Nicht im Sinne von Parteizugehörigkeit, sondern als Wert an sich. Dass Glauben nicht zwangsläufig mit einer Religion verbunden sein muss, zeigt das Beispiel des 23-jährigen Andrea Visentini. Zur Zeit studiert er Wirtschaftswissenschaften in Mailand, später möchte er sich jedoch der Politik widmen. Denn sein Glauben beruht auf einem Wert, auf einem ethischen Prinzip, das sich eher in der Politik verorten lässt als in der Religion. Der Student ist ein überzeugter Anhänger des Antifaschismus. Dessen Bedeutung hat ihm sein Großvater vermittelt, der damals im Zweiten Weltkrieg als Partisan kämpfte. Heute steht das Prinzip des Antifaschismus sogar im Grundgesetz Italiens. Für Andrea ist es jedoch nicht nur etwas Historisches: Die Erzählungen seines Großvaters haben ihn motiviert, eines Tages in die Politik zu gehen.

 

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