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Ich bin dann mal zurück (Oder: Warum die Spanier in ihre Heimat zurückkehren)

Die Suche nach einem Job treibt viele Spanier ins Ausland. Doch die meisten von ihnen kehren  nach weniger als einem Jahr zurück. Mangelnde Sprachkenntnis ist dabei nur ein Problem. Von Artur Lebedew

Man könnte sich ganz einfach erklären, warum junge spanische Auswanderer aus Andalusien, einer Region im Süden des Landes, ihre Jobs im Ausland kündigen und in ihre Heimat zurück kehren: Hier, wo am Straßenrand Orangenbäume blühen und das Meer nah ist , ist es einfach zu schön um lange weg zu bleiben. Doch so einfach ist das nicht. Denn den meisten Spaniern droht das gleiche Schicksal: Arbeitslosigkeit und wohnen in der Elternstube. Und das mögen auch hier die wenigsten.

Nach Griechenland (etwa 60 Prozent) hält Spanien mit fast 55 Prozent den Negativ-Rekord der Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union.  Für die meisten ist der einzige Ausweg daher der Gang über die Landesgrenze. Doch so einfach ist das Auswandern trotz Schengen-Abkommen immer noch  nicht. Die Zahlen zeigen, dass die meisten  Arbeitsauswanderer nach kurzer Zeit in ihr Heimatland zurück kehren. In Deutschland etwa blieb in den vergangenen Jahren nur jeder zweite Grieche und Portugiese länger als ein Jahr. Bei den Spaniern war es sogar nur jeder Dritte, haben die Statistiker der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Juni 2013 ausgerechnet. (Studie hier zum Download) Insgesamt wanderten 2010 etwa eine Million EU-Bürger in andere EU-Staaten aus. Neuere Zahlen will die Europäische Kommission im April herausgeben. Wie viele der Migranten  wieder in ihre Heimat zurück kehren, ist unklar.

Am Ende wurde alles zu viel: das kleine Gehalt, die Sprache, die Sehnsucht nach der Familie

Angela Aguilera Exposito ist eine Frau mit fröhlichen Augen, ihren andalusischen Dialekt bemerkt man auch als Ausländer. Mit Menschen in Kontakt zu kommen, fällt ihr leicht, es ist Teil ihres Berufs. Die 25-Jährige ist Spanischlehrerin, das zumindest hat sie studiert. Um als Lehrerin in Spanien zu arbeiten und mit dem Gehalt über die Runden zu kommen, gar die Zukunft zu planen, braucht man Glück, Kontakte und einen vielversprechenden Lebenslauf. Letzteren wollte Angela aufbessern. Sie fasste den Entschluss und  kündigte ihren Job als Dozentin in einer Sprachschule für Ausländer. „Die Freunde hielten mich für verrückt als ich das machte“, erzählt sie, die meisten von ihnen seien selbst arbeitslos. „Klar war das ein Risiko. Aber ich wollte etwas Neues, wollte mein Englisch aufbessern, vielleicht mehr Geld verdienen.“ Im Nachhinein, sagt sie, „war ich sehr naiv.“

Nach der Kündigung ging alles sehr schnell: Sie packte ihre Sachen, kratzte ihr Erspartes zusammen und flog nach Manchester. Dort leben Freunde von ihr, das sollte das Ankommen erleichtern. Aber kaum in der Industriestadt angekommen, begannen die Probleme. Es sei nicht leicht gewesen, ein relativ günstiges Zimmer zu finden, sagt sie. In Andalusien sind die Preise halb so hoch. Sie vermisste Freunde und Familie – noch nie war sie so lange von zu Hause weg. Auch die Sprachbarriere stellte sie vor größere Probleme als erwartet. „Wirklich schwer fiel mir die Suche nach einem Job.“ Mit kleinen Gelegenheitsarbeiten hielt sie sich übers Wasser. „Die Briten arbeiten ganz anders, haben oft mehrere Jobs  gleichzeitig. Das kannte ich nicht aus Spanien“. Ohne Festanstellung hatte sie auch keine Krankenversicherung. Als Ausländerin bekam sie vom Staat weder eine finanzielle Hilfe, noch Hinweise, wie sie ihre Arbeitssuche verbessern könnte. „Es belastete mich, nicht die gleichen Rechte zu haben, wie die Briten.“

Einige Wochen später fand sie eine Stelle, wo sie vier Stunden täglich Spanisch unterrichten konnte; zu wenig. „Um zu überleben brauchte ich mindestens zwei solcher Jobs.“ Es blieb bei dem einen. Sie gab auf, kehrte nach nur zwei Monaten in Manchester nach Granada zurück. „Am Ende wurde alles zu viel: die Sehnsucht nach der Familie, das kleine Gehalt, die Sprache, die andere Kultur“. Sie habe realisiert, dass sie für dieses Abenteuer nicht genug vorbereitet gewesen sei, sagt Angela mit fester Stimme.

Arbeitsamt versucht Einstieg für Auswanderer im neuen Land zu erleichtern

Die Gründe für Angelas Rückkehr dürften ähnlich sein wie bei vielen Rückkehrern in Europa: die Sprachbarrieren zu hoch, die Anforderungen bei Abschlüssen und Job zu unterschiedlich, im Zielland wegfallende  soziale Kontakte und kaum finanzielle Absicherung. In Deutschland sollen so genannte „Lotsen“ dafür sorgen, dass Schicksale, wie das von Angela die Ausnahme bleiben. Die Lotsen werden von der Arbeitsagentur beschäftigt. Es sind Menschen, die in Griechenland, Spanien oder Portugal nach Fachkräften forsten und sie an deutsche Firmen vermitteln. Sie sollen die Job-Migranten auf die neue Arbeitsstelle vorbereiten, ihnen Wohnung und Sprachkurse vermitteln und ihnen Deutschland schmackhaft machen. Auch andere Länder versuchen mit solchen Mittelsmännern, passende  Fachkräfte in ihren Arbeitsmarkt einzugliedern. Und das, bevor die Reisewilligen sich auf den Weg gemacht haben. So soll die Zahl der Rückkehrer minimiert werden. Im Visier der Lotsen sind dabei aber vor allem IT-Spezialisten, Ingenieure und Krankenschwestern. Die werden von deutschen, aber auch anderen Firmen in Europa mit Eifer gesucht. Kindergärtner oder Sprachlehrer, wie Angela dagegen weniger.

Den Schritt ins Ausland würde Angela trotzdem noch einmal wagen. Im Moment arbeitet sie wieder in ihrer alten Sprachschule , wie vor ihrem England-Aufenthalt. „Ich würde mich nicht als gescheitert bezeichnen“, sagt sie über ihre Rückkehr aus Manchester. Sie habe viel gelernt, ihr Englisch verbessert und wisse nun, was sie das nächste Mal anders machen würde: den Job von Spanien aus suchen und dann erst umziehen. Lieber wäre ihr allerdings, wenn sich die Wirtschaftslage in Spanien verbessert. Dann könnte sie dort bleiben, Freunde und Familie leben, wo die Sonne scheint und das Meer nah ist

 

Die Debatte 1 Kommentar

  1. 1. Es geht auch anders....

    Als gemeinnützige Organisation mit Sitz und Anerkennung in Spanien ist das was sie beschreiben haben genau unser Aufgabengebiet. Wir bringen spanische Arbeitslose Menschen nicht nur nach Deutschland in Schulungs und Qualifizierungsmassnahmen sondern sorgen auch vor Ort für die soziale und kulturelle Integration .
    Vielleicht ist es interessant für sie sich unsere Internetseite einmal anzuschauen
    http://www.emica-ev.com