Energie. BEitragsbild

Titelbild CC BY-SA 3.0 Diliff

Italienisches Heizverbot

Das Thema Energiepolitik hat die Europäische Union in Artikel 4 des Vertrages über die Arbeitsweise der Union als geteilte Zuständigkeit vermerkt. Die Mitgliedsstaaten bestimmen somit bei der Gestaltung der Energiepolitik aktiv mit, was zum Ergebnis hat, dass dieser Politiksektor größtenteils von den Staaten selbst bearbeitet wird. Mit sich zieht diese Verteilung der Aufgaben jedoch, dass es in manchen Mitgliedsstaaten eine Politik gibt, die sich von anderen Staaten unterscheidet. Beispiel: Italien.

 

Wenn die südliche Sonne sich verabschiedet, heißt es hier im Herbst erst einmal frieren. Denn Italien möchte das Ziel des Umweltschutzes verwirklichen und hat deswegen in den Provinzen festgelegt, wann die Heizung angeschaltet werden darf. So darf beispielweise in der lombardischen Provinz die Heizung abhängig von eingeteilten Zonen erst zwischen dem 1.November und dem 1.Dezember angeschaltet werden. Hinzu kommt, dass am Tag nur zwischen 6-14 Stunden geheizt werden darf. Das Land ist nach einem Dekret des italienischen Präsidenten in sechs Klimazonen eingeteilt, die Bürgermeister haben dann die Freiheit die Heizzeiten zu bestimmen. Auf dem Land in einem 40 Personen Seelenort zu wohnen, heißt hier die schlechteren Karten haben. Und wer sich hier nicht an die Regeln hält muss mit einer Strafe zwischen 500 bis 3000 Euro rechnen. Ein Regelung, die in anderen EU-Staaten, wie Deutschland, fremd ist.

Umweltorganisation findet staatliche Reglungen sinnvoll

Die italienische Umweltorganisation Legambiente befürwortet die staatlichen Regelungen aus vielerlei Hinsicht. In erster Linie geht es darum, die Emissionswerte zu verringern. „Im Herbst sind in Italien noch teilweise über 20 Grad, vor allem im Süden, da muss die Heizung nicht angeschaltet werden“, schreibt Legambiente auf ihrer Internetseite.

Deutschland: Vorreiter für erneuerbare Energie?              

Deutschland hingegen wählt einen anderen Weg, die Emissionswerte zu verringern. Geheimrezept: erneuerbare Energie. Bis 2035 sollen 50% der Energiequellen erneuerbar sein. Zudem soll als weiteres Ziel für den Klimaschutz bis 2020 40% an CO2 eingespart werden. Die große Koalition hat im Koalitionsvertrag dieses Ziel nochmals bekräftigt und schreitet weiter auf dem Weg hin zu einer ausgewogenen Energiepolitik, auch mit dem Ziel, ein Vorreiter in der EU zu sein. Und in der Tat gilt Deutschland in Sachen Strom als Musterbeispiel, so befindet es jedenfalls die Deutsch-Italienische Handelskammer. Sie animieren deshalb auch deutsche Unternehmen, die italienische Stromgemeinschaft zu verbessern und zu investieren.

Mit der Einspeisevergütung, einer staatlich festgelegten Vergütung von Strom, die bestimmte Arten von Stromerzeugung fördert, gehört Deutschland zu den wenigen Ländern, die ihr Stromsystem grundlegend ändern will. Vor allem Windkraft- und Solaranlagen sind hier die Wege hin zu einem besseren Umgang mit Strom und Umwelt. So fördert Deutschland seine Hauseigentümer durch Steuererleichterungen nach Umrüstungen an der Fassade der Häuser oder dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Besonders beliebt ist in Deutschland mittlerweile eine teilweise Stromerzeugung durch Solarkraft. Hier greift der Staat mit bis zu 660 Euro pro Kilowattpeak Leistung der Photovoltaikanlage den Bürgern unter die Arme. Die Höhe der Unterstützung entscheidet sich, nachdem man vor Anschaffung die Gelder beantragt hat. Für viele rechnet sich diese Anschaffung nicht, da die deutschen Sonnenstunden nicht ausreichen, um auch im Winter das Haus mit Strom zu versorgen. Trotz den Förderungen von staatlicher Seite ist das Klimaziel laut Studien noch in weiter Ferne. In einer Studie, die der Experte Joachim Nitsch für den Bundesverband Erneuerbare Energien erstellt hat, wird aufgezeigt, dass Ende des vergangenen Jahres die CO2-Einparungen bei gerade einmal 27% lagen. Die Studie besagt, dass bis dato die sparsame, effiziente Nutzung von Energie noch nicht ausreichend fokussiert wurde.

Klimaschutz: In Italien eine Sache von Einsparungen

Italien hingegen kämpft noch, das Thema Klimaschutz in den Köpfen der Bürger zu verankern. Der Strombedarf in Italien nimmt jährlich um circa 2-3% zu und wächst damit stärker als im EU-Durchschnitt. Zudem zählen die italienischen Energiepreise zu den höchsten in Europa. Nachdem sich die Italiener 1987 gegen den Einsatz von nuklearen Energien entschieden haben, ist das Land bis zu 85% von Energieimporten abhängig. Das Land verfügt zudem über kaum eigene Ressourcen fossiler Energieträger. Mittlerweile suchen die Politiker schon neue Wege. Eine Rückkehr zur Atomenergie wird häufig gefordert. 2009 wurde von der Regierung Berlusconi ein Gesetz verabschiedet, dass in Italien bis 2020 vier Atomkraftwerke bebaut werden sollen. Der halbstaatliche Energiekonzern ENEL beteiligt sich bereits am französischen Atomreaktor EPR. Da Italien eine solche Abhängigkeit, vor allem auch in Zeiten der Wirtschaftskrise seinen Bürgern nicht verkaufen kann, ist der ökologische Weg, Heizzeiten einzuführen, wirtschaftlich gesehen für das italienische Volk auch eine Entlastung. Zudem muss man bedenken, dass zurzeit wieder die Sozialdemokraten unter Matteo Renzi an der Regierung sind, die 2009 als Oppositionspartei noch massiv gegen die Atomkraftwerke gekämpft haben. Ein Umstieg auf erneuerbare Energien wird in Italien anvisiert. So hat man ein Klima-Energie Paket verabschiedet. Eins der Ziele ist es, bis 2020 den gesamten Energiebedarf zu 17% mit erneuerbaren Energien abzudecken. Aber ohne Investitionen aus dem Ausland ist die Umgestaltung des Stromnetzes mehr als schwierig. Durch die Steuererhöhungen, die als Ergebnis der wirtschaftlichen Umstrukturierung nach der Wirtschaftskrise notwendig sind, sind keinerlei Anreize gesetzt, in Erneuerbare Energien zu investieren. Auch die Bürger, die ihre Stromversorgung umrüsten, überlegen in Italien zweimal, umweltfreundlicher zu heizen. Die Mehrwertsteuer auf Produkte wie Holzpellets ist um 100% gestiegen. Anreize, den Bürger auf dem Pfad zum Umweltschutz mitzunehmen, sehen laut dem Südtiroler Landtag anders aus.

Warum greift die Europäische Union hier nicht regulierend ein?

Da die Europäische Union viele Sektoren abdeckt, ist es absehbar, dass auch das Thema Energiepolitik mit anderen Sektoren wie Umweltschutz oder vor allem Handelspolitik kollidiert. Strom ist ein international gehandeltes Gut und der Verbrauch steigt kontinuierlich. Ein Eingreifen wird früher oder später notwendig werden. Im Vertrag von Lissabon hat sich die EU bereits die Förderung der Zusammenlegung der Energienetze und die Förderung der Energieeffizienz auf die Fahnen geschrieben. Aber nicht zuletzt stößt die EU auch hier wieder an ihre Grenzen, Ideen und Gewohnheiten von 28 Ländern unter einen Hut zu bringen. Nicht nur die ersten Mitglieder in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Deutschland und Italien, weisen hier große Unterschiede auf.

 

 

Titelbild CC BY-SA 3.0 Diliff 

 

Die Debatte 2 Kommentare

  1. 1. Lieber Heizsysteme umrüsten als so hart eingreifen

    Natürlich sollte man die Emissionswerte senken, aber so hart einzugreifen finde ich nicht gut. Schliesslich sollte man selbst bestimmen, wann man eine Heizung aufdreht und wann nicht. Es gibt nun mal Menschen den sehr kalt ist und vor allen sind das ältere Menschen. Es sollten lieber die Heizsysteme umgerüstet oder eine Heizungssanierung durchgeführt werden. Dabei sollte wie erwähnt die erneuerbaren Energiequellen (Solaranlage z.B.) im Vordergrund stehen. Aber auch Windenergie finde ich sehr sinnvoll.

  2. 2. Der groesste Schwachsinn italienischer Buerokratie

    Ich wohne in Italien und kann dazu sagen, dass diese Regelung schlicht und einfach idiotisch ist. 1. Kommt es auf die Lage des Hauses an (sonnig / schattig). 2. Interessiert es nur Vermieter, die eine Zentralheizung haben und natuerlich nicht auf ihr Riskiko die Heizung anschalten. Wer eine Wohnung sucht, der schaut, dass diese termoautonomo ist, sprich eine eigene Heizung hat. 3. Wenn es dann kalt wird und die Heizung noch nicht laeuft bleibt ja nichts anderes ueber, wie mit Elektroheizern oder anderen, wesentlich umweltfeindlicheren Heizmethoden die Bude warm zu bekommen.