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Kommt nicht in die Tüte: Irland als Vorreiter im Kampf gegen Plastikmüll

Die Europäische Union hat Plastiktüten den Kampf angesagt. Angepeiltes Ziel: Jeder soll bis 2025 nur noch 40 Tüten pro Jahr verbrauchen. Dieses Vorhaben haben die zuständigen Minister gerade in Brüssel beschlossen. Aber wie könnte die Richtlinie in der Praxis umgesetzt werden? Ein Blick nach Irland, wo seit Jahren keine Plastiktüte mehr unbezahlt über die Ladentheke geht.

Wenn Marc Gallagher am Wochenende zum Einkaufen aus dem Haus geht, dann macht er vorher kurz einen Abstecher ins Wohnzimmer. Dort nämlich lagert er seine Stofftaschen. Eine regelrechte Sammlung – oben auf dem Bücherregal. „Das ist praktisch“, sagt er schmunzelnd, „die halten den Staub ab und ich kann sie zum Einkaufen benutzen“.

In Irland ist längst Realität, worüber man sich im deutschen Umweltbundesamt noch den Kopf zerbricht. Plastiktüten werden in irischen Läden längst nicht mehr kostenlos an Kunden abgegeben, sondern sind besteuert. 22 Cent plus Tütenpreis zahlt hier, wer an der Supermarktkasse eine Plastiktüte will. Eine Tüte kann dann schnell über einen Euro kosten. In Kleider-, Schuh- oder Elektrogeschäften gibt es ausschließlich Papiertüten. Die Steuer wurde im Jahr 2002 eingeführt. Sie half den Plastiktütenkonsum drastisch einzudämmen: Von jährlich 328 Plastiktüten pro Person vor der Steuer, auf 21 Tüten pro Person nach der Steuer.

Von der Steuer ausgeschlossen sind lediglich jene dünnen Tüten, die verwendet werden, um frisches Fleisch oder frischen Fisch zu verpacken. Außerdem darf lose verkauftes Obst und Gemüse in eine dünne Plastiktüte gepackt werden. Wer aber tatsächlich an einer Kasse eine kostenlose Plastiktüte erhält, ist angehalten, sich bei dem „Environmental Awareness Officer“, den Beauftragten für Umweltbewusstsein im lokalen Bürgerbüro zu beschweren.

Nahezu jeder in Irland hat inzwischen Stofftaschen in Auto, Büro oder Handtasche. Oder eben auf dem Bücherregal, so wie Marc Gallagher. Der Universitätsdozent erinnert sich noch an die Stimmung in seinem Bekanntenkreis, bevor die Steuer eingeführt wurde: „Manche haben es nicht so ganz verstanden, warum sie auf einmal für Plastiktüten bezahlen sollen. Aber im Grunde fanden die meisten die Steuer sinnvoll.“ Und heute sei die Steuer eigentlich gar kein Thema mehr. „Diese 22 Cent pro Tüte haben uns geholfen unser Konsumverhalten zu ändern“, sagt Gallagher und wirkt ein bisschen stolz. Er sei sicher, dass Irland damit Vorbild für andere EU Staaten sein kann.

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