Konfetti-Regen zur Laurea-Zeit. Foto: Gremme

Konfetti-Regen zur Laurea-Zeit. Foto: Gremme

Laurea all’italiana

…wie man „im Namen der italienischen Republik“ zum Dottore wird

Es ist wieder Laurea-Zeit in Italien. In allen Universitätsstädten in Italien laufen um diese Jahreszeit jeden Tag Hochschulabsolventen mit Blätterkronen auf dem Kopf und einer großen Festgesellschaft im Schlepptau durch die Städte. Sie feiern den Hochschulabschluss und lassen es dabei richtig krachen.

In Italien sieht man zweimal im Jahr oft viele Gruppen, in deren Mitte ein junger Mensch mit einer Blätterkrone steht. Immer im Juli und von September bis Oktober. Dann ist Laurea-Zeit in Italien. „Laurea“ ist in Italien die Bezeichnung für einen Hochschulabschluss, der Abschluss „Laurea Triennale“ ist mit unserem „Bachelor“ gleichzusetzen.

Petrarca sei Dank – Ursprünge der Tradition

Die „Laurea“, also der Hochschulabschluss, hat in Italien eine lange Tradition. Diese Tradition kann man am besten ausgehend von der Blätterkrone erklären, die jeder Absolvent trägt. Bei dieser Blätterkrone handelt es sich nämlich um einen Lorbeerkranz. Bereits in der Antike wurden siegreiche Kämpfer oder Dichter als Zeichen der besonderen Ehre mit dem „lauro“, dem Lorbeer, ausgezeichnet. Später, im 14. Jahrhundert, wurde diese Ehre großen Dichtern zuteil, die so zum „Poeta laureatus“ wurden. Seit dem Jahr 1341, dem Jahr seiner Dichterkrönung, ist der italienische Dichter Francesco Petrarca zum Inbegriff des Poeta laureatus geworden. Im 19. Jahrhundert hörte man mit den Dichterkrönungen auf, aber in Italien lebt diese Tradition in den Laurea-Feiern weiter.

Alles in allem hat die Prozedur einer Laurea-Feier aber heute wenig mit großer Ehre zu tun. Bevor es zu dieser Feier kommen kann, schreibt der Absolvent seine tesi, seine Abschlussarbeit. Anders als in Deutschland üblich, muss die Bachelorarbeit hier diskutiert und verteidigt werden. Es handelt sich um eine ca. zehn- bis fünfzehnminütige Mini-Verteidigung, die discussione. Dabei fasst der Absolvent seine Arbeit nochmal kurz zusammen und jeder, der Lust hat, darf zuhören. Meist sind das alle, die nachher auch mitfeiern. Am Ende wird dann sehr offiziell, „im Namen der italienischen Republik“, die Gesamtnote verkündet. Es kommt übrigens sehr selten vor, dass man bei einer Discussione nicht besteht. Man wird in Italien in der Regel immer erst dann zur Discussione zugelassen, wenn alle sicher sind, dass der Absolvent es schafft.

 Bei einer richtigen Laurea dürfen die Lorbeerkrone, der Blumenstrauß und die Tesi nicht fehlen
Bei einer richtigen Laurea dürfen die Lorbeerkrone, der Blumenstrauß und die Tesi nicht fehlen. Foto: Gremme

Endlich Feiern – Aber wie?

Dann kann endlich gefeiert werden! Zur Feier kommt, wer vom Absolventen eingeladen wird. Das sind bei einer richtigen italienischen Laurea in der Regel die Eltern, Freunde, Großeltern, Onkel, Tanten und wer sonst noch dazu gehört, tutta la famiglia eben. Direkt nach der Discussione bekommt der fresco laureato, der frisch gebackene Absolvent, die Corona, also die Krone aufgesetzt. Um die Krone müssen sich die Eltern kümmern. Der feste Freund oder die feste Freundin schenkt einen Blumenstrauß und die Freunde organisieren Sekt und Konfetti. Das ist die übliche Abfolge, die aber natürlich abweicht, wenn einige dieser Rollen nicht besetzt werden können. Wenn der Absolvent dann die drei wichtigen Attribute Krone, Strauß und die gebundene Arbeit in den Händen hält, werden Fotos geschossen, bis alle vom Blitzlicht blind sind.

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Eine frisch gebackene Absolventin setzt in Mailand zum Sprung über die Hecke an: Sie hat es geschafft! Foto: Gremme

Bis hier hin ist der Ablauf überall in Italien gleich. Je nach Region und Universität gibt es aber auch eigene Traditionen. In Mailand beispielsweise müssen die Studenten über die Hecken in der Uni springen, als Symbol, dass sie es geschafft haben. In Padua schreiben die Freunde lustige Anekdoten über den Absolventen auf, die er in einem Kostüm vorlesen muss. Jedes Mal, wenn er sich verliest, muss er einen Sekt oder Schnaps trinken. In vielen Städten ist es auch üblich, vor dem Gebäude der Universität oder in der ganzen Stadt lustige oder peinliche Bilder des Absolventen aufzuhängen.

Wozu das alles?

Ein bisschen Spaß muss sein… Vor der Uni hängen Freunde lustige Fotos des Absolventen auf
Ein bisschen Spaß muss sein… Vor der Uni hängen Freunde lustige Fotos des Absolventen auf. Foto: Gremme

Es sieht immer lustig aus, wenn man eine Laurea-Gesellschaft sieht. Alle sind immer sehr schick, nur der Absolvent steht oft in peinlichen Klamotten da und blamiert sich. Mit diesem Verhalten wird der Dottore oder die Dottoressa, das ist der Titel, den man mit der Laurea erwirbt, noch einmal ein bisschen verscherzt, bevor dann normalerweise mit einem Job der Einstieg ins Arbeitsleben losgeht. Laurea-Feiern gibt es in Deutschland nicht. Allerdings kann man die Feierlichkeit und den Ernst der Situation ein wenig mit dem deutschen Schulabschluss vergleichen. Wenn man in Deutschland zum Beispiel sehr aufwendig das Abitur feiert, müssen die Italiener lachen, das kennen sie so nicht. Vielleicht feiern sie deswegen den Uni-Abschluss so groß. Denn irgendein Ereignis braucht wohl jeder zum Feiern.

 

 

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