Nationalität? International! Alexandre, Emma und Katerina.

Nationalität? International! Alexandre, Emma und Katerina.

Nationalität? International!

Eine Umfrage unter Studenten in Edinburgh zeigt, wie vielschichtig Identitäten sein können.

Von Kirstin MacLeod

„Woher kommst du?“ Für einige ganz normaler Smalltalk; andere empfinden diese Frage als unpassend; manchen fällt es sogar sehr schwer, eine Antwort auf die Frage nach der eigenen Herkunft zu finden.

Wer bei diesem Thema die Smalltalk-Ebene verlässt, merkt schnell: „Identität“ kann verschiedenste Dimensionen haben. Sehe ich mich als Berliner? Als Deutscher, als Europäer oder gar als Weltbürger?

Wie vielschichtig Identitäten sein können, zeigen die Geschichten von drei Studenten in Edinburgh:

Emma Caviezel

Emma Caviezel. Foto: Kirstin MacLeod
Emma Caviezel. Foto: Kirstin MacLeod

Emma ist 21 und steht kurz vor dem Abschluss ihres Studiums der Internationalen Beziehungen an der University of Edinburgh. Hier fühlt sie sich zum ersten Mal so richtig zu Hause, erzählt sie. Aufgewachsen ist sie in und mit vielen Kulturen: Ihre Mutter ist Schwedin, ihr Vater Schweizer; gelebt hat sie in der Schweiz, Großbritannien, Frankreich. Und in Hongkong besuchte sie eine deutsche, internationale Schule. „Am meisten fühle ich mich als Schwedin, obwohl ich nie dort gelebt habe. Identität hat für mich vor allem mit Sprache zu tun, denn mit meiner Mutter und Schwester spreche ich Schwedisch“, erzählt sie. Es komme aber auch immer darauf an, wo sie gerade lebe. Im vergangenen Jahr hat sie in Paris studiert: „Da war ich dann die Schottin“. Ein Problem hat sie mit dieser vielschichtigen Identifikation nicht. Vorerst will sie in Schottland bleiben, danach vielleicht einen Master in London machen. London sei schließlich auch nicht Englisch, sondern international.

Alexandre Cayrouse. Foto: Kirstin MacLeod
Alexandre Cayrouse. Foto: Kirstin MacLeod

Alexandre Krystofer Cayrouse

Alexandre, 20, und Emma kennen sich noch aus ihrer Schulzeit in Hongkong: Wie Emma war der Geschichts- und Französisch-Student schon „überall und nirgendwo zuhause“. Alexandre hat einen britischen und einen französischen Pass, aber auch isländische Vorfahren. „Das erklärt die seltsame Schreibweise meines zweiten Namens“. Am meisten verbunden fühlt er sich mit Hongkong.  „Ein Großteil meiner Familie lebt nicht mehr in England und Frankreich. An Europa bindet mich zunehmend immer weniger“, erklärt er. Das heiße aber nicht, dass er nicht gern hier lebe. Auch er kann sich eine Zukunft in London vorstellen oder eine Karriere im diplomatischen Dienst: „Auf jeden Fall international!“

Katarina Stojanovic

Katerina Stojanovic. Foto: Kirstin MacLeod
Katarina Stojanovic. Foto: Kirstin MacLeod

 

Katarina, 19, studiert Französisch und Kunstgeschichte und ist in London aufgewachsen. Sie ist jedoch froh, nicht mehr permanent in London zu wohnen. Auf Dauer sei das zu anstrengend. „Was nicht heißen soll, dass ich kein Hauptstadt-Typ bin. In Zukunft will ich unbedingt mal in Berlin und Paris wohnen“. Ihre Eltern kommen aus Serbien. „Die Kultur dort kenne ich aber fast nur aus dem Urlaub.“ Auf jeden Fall fühle sie sich europäisch. Auch für sie entstehe Identität über Sprache und Kultur. An den Briten zum Beispiel findet sie eines noch immer befremdlich: „Alle sind so höflich. Wer sich immer für alles bedankt und entschuldigt, würde in Serbien nur komisch angeschaut werden“.

 

 

 

Die Debatte Keine Kommentare