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New Deal for Europe

Die EU nimmt nun viel Geld in die Hand, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Der Erfolg wird von einer stärkeren Harmonisierung des Arbeitsmarktes abhängen.

Von Anna Dittrich

piggy-bank-6167223,2 Prozent! So hoch war Ende 2012 die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen in den Mitgliedstaaten der EU. Mehr als doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote von 10,5 Prozent bei den über 24-Jährigen. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt für Jugendliche wird immer schwieriger. Wer einen Job findet, muss sich oft mit befristeten Verträgen und Teilzeitarbeit zufrieden geben. Unter jungen Europäern breitet sich immer mehr Hoffnungslosigkeit aus. Dabei gibt es nach Angaben der EU in Europa zwei Millionen unbesetzte Stellen. Vor allem in den Sektoren Gesundheitspflege sowie Informations- und Kommunikationstechnik herrscht ein Mangel an Fachkräften. Das Problem ist, dass arbeitsuchende Fachkräfte und offene Stellen meist nicht im gleichen Land zu finden sind. Den Bewerbern fehlen die Fremdsprachenkenntnisse sowie dringend nötige Auslandserfahrung für die Stellen.

Um der steigenden Arbeitslosenquote unter den jungen Bürgern entgegenzuwirken, bringt die EU ein ganzes Maßnahmenpaket auf den Weg. Teile davon sind bereits seit 2010 unter dem Namen Europe 2020 in Kraft. Sechs Milliarden Euro stellt die Gemeinschaft bisher im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit bereit. Diese Woche wurden von Deutschland und Frankreich erhebliche Erweiterungen der Pläne angekündigt. Die finanziellen Ressourcen sollen unter dem Namen „New Deal for Europe“ auf 60 Milliarden Euro aufgestockt werden. Vor allem Kredite für Unternehmen sollen es richten. Wie genau das ablaufen soll, werden die kommenden Tage zeigen. Bei den bisherigen Plänen im Rahmen von Europe 2020 werden vor allem drei Projekte genannt.

Den Kern von Europe 2020 bildet das „Youth Employment Package“. Das Projekt richtet sich an Mitgliedsländer, in denen mindestens ein Viertel der Jugendlichen ohne Arbeit sind. Momentan trifft diese Quote auf zwölf Länder zu. In den Krisenländern Griechenland und Spanien sind über die Hälfte der unter 25-Jährigen arbeitslos. Konkret sollen die Gelder aus dem Youth Employment Package den jungen Bürgern einen Arbeitsplatz, einen höheren Bildungsabschluss oder eine Ausbildungsstelle ermöglichen. Vier Monate nach Beendigung der Schule oder nach dem Verlust der Arbeitsstelle soll ein solches Angebot vorliegen. Ein hochgestecktes Ziel, das mancher Experte für zu ambitioniert hält, trotz der finanziellen Aufstockung der letzten Tage.

Neben diesem Projekt wird am 2. Juli auch die sogenannte „European Alliance For Apprenticeships“ starten. Diese soll dem Mangel an Ausbildungsplätzen entgegen wirken, indem beispielsweise erfolgreiche Ausbildungsmodelle und deren Anwendbarkeit auf andere Länder geprüft werden. Das duale Ausbildungssystem als Erfolgsmodell ist hier besonders im Gespräch.

Als dritte Säule kommt das „Youth On The Move Programm“ hinzu. Neben den bekannten europäischen Austauschprogrammen wie Erasmus für Studierende sollen nun auch europaweite Netzwerke auf anderen Ebenen geschaffen werden. Ein besserer Zugang zu Ausbildungsplätzen, Praktika und Weiterbildungen in anderen Ländern ist das Ziel. In Teilen gibt es solche Netzwerke schon seit einigen Jahren, zum Beispiel im Rahmen des Austauschprogramms EURES. Nun sollen sie auch verstärkt für die jungen Arbeitssuchenden attraktive Angebote und Unterstützung bereit stellen. Ein Beispiel: die Aktion „Dein erster EURES-Arbeitsplatz“.

Ein bunter Strauß an Maßnahmen ist auf dem Weg. Die jungen arbeitsuchenden EU-Bürger werden am Ende aber nur dann von den genannten Plänen profitieren, wenn ihnen in ihrer Ausbildung Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden, die auch bei den Firmen gefragt sind, die Mitarbeiter suchen. Der Erfolg wird also vor allem davon abhängen, ob eine stärkere Harmonisierung des europäischen Arbeitsmarktes und damit eine vereinheitlichte Qualifizierung der Menschen erreicht werden kann.

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