Symbolbild (Wahlig)

Symbolbild (Wahlig)

Paese che vai gente che trovi! – Andere Länder, andere Sitten!

Europa, das ist eine Gemeinschaft. Doch auch in einer Gemeinschaft steht man sich kritisch gegenüber. Ein Zusammenleben ohne Vorurteile, fast undenkbar. Die Deutsch-Italienische Beziehung ist von diesen reich bestickt.

 

Ma tu sei tedesca! – Ja, ich bin Deutsche. Das heißt aber nicht, dass ich nicht normal bin. Naja, normal, was ist schon normal. „Du trinkst kein Bier –bist du wirklich Deutsche? Wie, du findest es auch kalt?- Aber bei euch ist es doch viel kälter.“ Die Antwort, dass ich aus Deutschland und nicht vom Nordpol bin, verkneife ich mir an dieser Stelle einfach mal. Wenn es um das Bild der Deutschen geht, haben die Italiener in meiner Umgebung eine ganz genaue Vorstellung. Zum Glück bin ich blond, sonst hätte ich den Italienern wohl alle Illusionen über die Deutschen genommen.

Von der Idee, dass es einen typischen Deutschen gibt, sind viele Italiener überzeugt. Geprägt ist das Bild wahrscheinlich von den zahlreichen Touristen. Und zugegeben: die Deutschen im Ausland erkennt man wirklich. Teilweise musste ich wirklich meine Hände über dem Kopf zusammenschlagen und beteuern, dass nicht alle Deutschen so sind – aber viele! Ein Beispiel: Mailand. Immer voll von Touristen, vor allem von solchen aus Deutschland. Mit Reiseführer, Kamera und Lunchpaket ausgestattet, stampfen sie durch die Stadt und schreien schon von weitem, wenn sie eine Sehenswürdigkeit sehen, die sie vorher in ihrem Reiseführer ausführlich studiert haben. Auch das typische Bild des Deutschen mit Tennissocken in den Sandalen ist mir hier schon begegnet. Und genau das ist auch der Grund, warum viele der (modischen) Italiener schmunzeln. Wir Deutschen, wir sind Merkel, sind pünktlich, streng, steif und ordentlich.

Besonders durch kulinarische Klischees entstehen Vorurteile auf beiden Seiten. Während wir eher vor vorgehaltener Hand „Spaghettifresser“ hauchen, werde ich hier regelmäßig als Kartoffel begrüßt: „Ciao Kartoffel, come stai?“

Aber, Halt! So einfach können sich die Italiener nicht aus der Affäre ziehen, denn auch in ihrem Verhalten lassen sich Eigenschaften feststellen, dass das Deutsche Herz aus Verzweiflung oder Unverständnis schneller schlagen lässt. Thema Nr.1 und damit trifft man Italiener wohl an ihrer schwächsten Stelle, ist die Pünktlichkeit. Pünktlichkeit bedeutet für einen Italiener mindestens eine viertel Stunde zu spät zu sein. Ein Beispiel dafür? Mein Uniprofessor hat die Studenten sehr eindringlich darauf hingewiesen, dass sein Kurs immer zur vollen Stunde anfängt. Schön, dass immer alle da sind – außer ihm. Ganz gemütlich und immer mit bester Laune kommt er 20 Minuten später, ohne überhaupt zu merken, dass er einen Tick zu spät ist. Vielleicht liegt es ja daran, dass er nie eine Uhr trägt – nein, es liegt wohl eher am italienischen Blut. Denn insgesamt warte ich immer bei einer Verabredung mindestens 20 Minuten auf die andere Person. Da hilft Wohl nur eine Einstellung „Ma, siamo in Italia!- Hey, wir sind in Italien!“ A propos warten, da gibt es noch eine Sache und zwar das Anstehen. Gefühlt gibt es in Italien wohl kein Ort, an dem man nicht anstehen muss. Damit auch ja keiner beim Anstehen benachteiligt wird, muss man eine Nummer ziehen. Ob in der Post, an der Theke im Supermarkt und sogar am Infopoint der Uni – man zieht eine Nummer und steht an. Für mich als Deutsche erscheint es manchmal etwas unlogisch, dass ich eine Nummer ziehe und mich dann doch in eine Reihe stelle. In der Post drängelt sich dann schlussendlich der ältere Herr doch vor, weil er die Postangestellte gut kennt. Bevor er dann sein Anliegen preis gibt unterhalten sich die beiden erstmal zehn Minuten und ich – ich warte. Leider sind Italiener was Öffnungszeiten angeht nicht so flexibel, wie ich beim Warten. Macht man zehn Minuten früher zu, macht man halt zehn Minuten früher zu. „chi se ne frega. – Wenn interessiert es?“ Morgen ist doch auch noch ein Tag. Domani! Morgen! O dopodomani! Oder eben übermorgen! Oder…nie.

Andere Länder, andere Sitten. Paese che vai, gente che trovi.

Die Debatte 4 Kommentare

  1. von Tedesca in Italia
    Antworten -

    1.

    Schade. Etwas einseitig und wenig aussagekräftig der Artikel. Mehr Selbstironie hätte gutgetan, denn auch Deutsche hegen und pflegen Vorurteile gegen Italiener und spielen damit – berechtigt und unberechtigt.

    Außerdem heißt es “chi se ne frega” und nicht “che ne frega” auf Italienisch. Oder “chissene”, das wäre dann Straßenitalienisch.

    • von Vanessa Wahlig

      Liebe Tedesca in Italia,

      das stimmt es heißt chi se ne frega… das ändern wir gleich mal. Der Artikel ist nicht als Anklage gemeint und ja, du hast Recht, die Deutschen sind da kein Stück besser :) Vielleicht zeigen auch der Artikel und die Sichtweise eine typische deutsche Tugend: kritisieren. Das können wir Deutschen nämlich, meiner Meinung nach, besonders gut. In diesem Artikel ging es mir persönlich auch eher um meine Sichtweise auf die Dinge. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen und Vorurteile, oder? Danke für deinen Kommentar und buon anno nuovo!

  2. von Letizia Lerose
    Antworten -

    3.

    Ich finde dein Artikel sehr schön und gut geschrieben! Genau die gleiche Erfahrung hab ich auch machen können.