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Religiöse Gefühle in Italien- zwischen Weihnachtssingen und Burkaverbot

Burka, Nikab, Tschador oder Kopftuch. Stört es die europäische Gesellschaft, wenn Muslime diese Verschleierung tragen? Gehört es zu Religionsfreiheit oder hat die Bedeckung des Körpers überhaupt etwas mit Religion zu tun? In Deutschland wird seit einigen Jahren darüber diskutiert, die Vollverschleierung mit Burka zu verbieten. Allen voran die Rheinland-Pfälzische CDU-Politikerin Julia Klöckner setzt sich massiv für ein Verbot ein. Andere Politiker aus Union oder SPD halten ein Burka-Verbot für überflüssig. Während sich Deutschland noch mit dem Thema kontrastreich auseinandersetzt, hat bereits eine Italienische Region ein Verbot ausgesprochen. Sie folgt somit Frankreich, das bereits seit 4 Jahren die Vollverschleierung verbietet.

In der norditalienischen Region Lombardei erhitzen sich seit den Anschlägen von Paris die Gemüter, wenn es um Islam, Verschleierung und Integration geht. Anfang hat die Diskussion in einer Schule genommen. Die Schulleiter einer Gesamtschule in Rozzano bei Mailand, Marco Parma, hat sich kurzerhand entschieden, aus dem Weihnachtssingen ein Winterfest zu machen. Grund der Änderung des Festes? Parma wollte damit „Rücksicht auf andersgläubige Schulkinder“ nehmen. Die rund 200 muslimischen Schüler könnten mit den christlichen Texten und Melodien nichts anfangen. Viele Eltern der anderen 800 Schüler fanden diesen Gedanken Parmas mehr als unpassend.

Während Parma seine Idee damit begründete, das im Zuge der Paris-Attentate die christlichen Lieder als Provokation aufgefasst werden könnten, rufen die empörten Eltern die Politiker der Lega Nord zur Hilfe. Matteo Salvini, der Mitglied des Europäischen Parlaments für die Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit ist, erschien in der lombardischen Kleinstadt wie der Retter in der Not. Damit er seinen Bürgern besser zuhören kann, bringt er gleich mal eine Krippe mit. Überzeugt erzählt er von der Schönheit der christlichen Weihnachtslieder und stimmt gleich eins an. Umhüllt von einer singenden Masse erläutert er: „wer unsere Traditionen verleugnet, der hat den Verstand verloren.“ Auch der Ministerpräsident Italiens, Matteo Renzi, hält das Handeln Parmas für falsch: „Weihnachten ist wichtig. Wenn da ein Direktor versucht, durch die Absage einer Weihnachtsveranstaltung Integration und Koexistenz zu fördern, scheint er mir einen sehr großen Fehler zu begehen.“

Parma jedoch bleibt standhaft und erläutert, dass er die muslimischen Schüler „integrieren und nicht ausschließen“ wolle. Ihn habe es jedes Jahr sehr gestört und auch besorgt, zu sehen, wie die Muslime auf der Bühne gestanden haben und nicht mitsingen konnten. Für die Eltern der christlichen Schüler ist dies kein Argument. In den regionalen Nachrichten sieht man Eltern die demonstrieren und fordern, dass sich die Muslime doch bitte integrieren sollen.

Integration mit Burka, funktioniert auch laut dem Regionspräsidenten der Lombardei, Roberto Maroni, nicht. Der Lega Nord Politiker hat nun mit seiner Regierung beschlossen, dass in der ganzen Lombardei nun die Burka in öffentlichen Ämtern und Krankenhäusern verboten werden soll. Die Beauftragte für Sicherheit der Region, Simona Bordonali, ließ verlauten, dass durch dieses Verbot nun die Sicherheitskontrollen vereinfacht werden könnten.

Zu den Personen

Matteo Salvini ist ein italienischer Journalist und Politiker der Lega Nord. Seit 2004 ist er Mitglied des Europaparlaments, wo er der Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit angehört. Mehrheitlich sind die Mitglieder dieser Fraktion von der Front National. Salvini wirkte bei der rechtspopulistisch-fremdenfeindlichen Neuausrichtung seiner Partei entscheidend mit.

 

Roberto Ernesto Maroni ist ein italienischer Politiker der Lega Nord. Er war Innenminister in den Regierung Berlusconi I und Berlusconi IV, sowie Minister für Arbeit und Sozialpolitik in den Regierungen Berlusconi II und Berlusconi III. Seit 2013 ist er Präsident der Region Lombardei.

Auch wenn sich Ministerpräsident Renzi für die Erhaltung der christlichen Werte ausspricht, halten die lombardischen Vertreter seiner Partei, Partito Democratico, die Begründungen und das Verbot zum jetzigen Zeitpunkt für Angstschürerrei. Die Lega Nord wolle nur einen Religionskrieg starten und bespiele ferner Themen, die national geklärt werden müssten. Die islamischen Vertreter der Region werfen in die Diskussion ein, dass es in der Lombardei gerade einmal 20-30 Frauen gebe, die Burka tragen würden. „Während der Expo und vor den großen Schaufenster der Luxusmarken in Mailand hätten die Frauen mit Burka aus Saudi-Arabien ja auch nicht gestört“, so Souheir Katkhouda, Präsidentin der Vereinigung der muslimischen Frauen Italiens.

Ob das Verbot nun begründet oder übereilt ist, ein Politikum zwischen Lega Nord und Partito Democratico ist es auf jeden Fall und für den Abbau von Integrationsschwellen für Muslime in Italien ist diese Diskussion keineswegs förderlich.

 

 

 

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