Gedenkkränze zu Ehren von Kemal Atatürk wurden an öffentlichen Pläzen aufgetellt. Foto: Resch

Gedenkkränze zu Ehren von Kemal Atatürk wurden an öffentlichen Pläzen aufgetellt. Foto: Resch

Schweigen für Atatürk

Einmal im Jahr steht in der Türkei alles still – im Gedenken an den Gründer der Republik

Istanbul ist eine Stadt, die niemals still steht. Rund um die Uhr wuseln Menschen in alle Richtungen durch die Gassen. Rote Ampeln werden belächelt. Taxis, Busse und PKWs teilen sich die engen Straßen. Es wird gehupt und am Lenkrad gerudert, bis jeder seinen Weg findet.

Doch am 10. November hält die Stadt jedes Jahr eine Minute lang inne. In dieser Schweigeminute wird in der gesamten Türkei dem Tod Mustafa Kemal Atatürks, dem Gründer der Türkischen Republik, gedacht.

 

Plötzlich steht alles still

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Zur Erinnerung an den ehemaligen General ist auch das Militär bei den Kundgebungen präsent. Foto: Resch

Das einzige, was dann vom Trubel übrig bleibt, sind eingefrorene Menschenmengen. Eine Sirene ertönt: Der Verkehr erlahmt,  Menschen steigen aus ihren Autos, Passanten bleiben mitten auf der Straße stehen und gedenken in Stille dem ersten türkischen Staatspräsidenten. Manch einer betätigt noch die Hupe seines Autos, ein Bemühter versucht mit seinem Klatschen andere Passanten anzustecken. Anschließend ertönt die türkische Nationalhymne und das Volk stimmt ein.

 

Im Dolmabahce-Palast hat man die Zeit buchstäblich eingefroren

Die Schweigeminute findet jedes Jahr genau um 9.05 Uhr statt, denn um diese Uhrzeit soll Atatürk 1938 im Istanbuler Dolmabahce-Palast seinen letzten Atemzug getan haben. Hier, im ehemaligen Regierungssitz Atatürks, steht die Zeit still: In seinem Sterbezimmer zeigt die Uhr dauerhaft den Zeitpunkt seines Todes an. Viele Menschen kommen am heutigen Tag dorthin, um dem ersten türkischen Staatspräsidenten zu gedenken. Im ganzen Land gibt es Kundgebungen und vor den Atatürk-Denkmälern werden Kränze niedergelegt.

 

Der „Vater der Türken“ ist in der Türkei jederzeit präsent

Über einen Kilometer zieht sich die Flagge der Türkei durch die Straßen. Foto: Resch
Über einen Kilometer zieht sich die Flagge der Türkei durch die Straßen. Foto: Resch

Über das ganze Jahr hinweg ist das Abbild Atatürks in der Türkei auf Fahnen, Souvenirs, Bildern in Cafés und türkischen Wohnzimmern zu entdecken. Der ehemalige General ist bekannt für seine reformistische Politik. Die Trennung von Religion und Staat und die Orientierung am Westen war wichtiger Bestandteil seiner kemalistischen Politik. Zur Ehre des „Vaters der Türken“ wird kein Aufwand gescheut: Eine über einen Kilometer lange türkische Flagge wurde am Morgen in einem Straßenzug durch die Istanbul zum Dolmabahce-Palast getragen. Und auch in der Hauptstadt Ankara gibt es heute Feierlichkeiten, wie beispielsweise beim Atatürk-Mausoleum. Hier sollen am Nachmittag 1.881 Luftballons in den Farben der türkischen Nationalflagge in die Luft steigen. Die Zahl der Luftballons steht symbolisch für das Geburtsjahr Atatürks 1881.

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