Seit dem 30. April 2013 König und Königin der Niederlande: Willem-Alexander und Maxima!

“Sie benehmen sich nicht daneben”

Wie denken eigentlich niederländische Studenten über ihr Königshaus? Unsere Autorin hat sich in Den Haag umgehört, in den Tagen nach der Krönung von Willem-Alexander.

Von Theresa Lieb

Seit dem 30. April 2013 König und Königin der Niederlande: Willem-Alexander und Maxima!
Seit dem 30. April 2013 König und Königin der Niederlande: Willem-Alexander und Maxima!

Als ausländische Studentin in Den Haag überkommt einen des öfteren das Gefühl, zwar in den Niederlanden zu studieren, von der holländischen Kultur und der Identität des Gastlandes jedoch nicht viel zu erfahren. Die meisten Gespräche finden auf Englisch statt, und auch das Essen oder typisch holländische Eigenheiten sind wenig dominant. Doch dieses Gefühl ändert sich schlagartig, wenn es Neuigkeiten aus dem Königshaus gibt oder wenn ein nationaler monarchischer Feiertag ansteht. Folglich waren die Monate seit der angekündigten Abdankung von Beatrix im Januar bis zur Krönung Willem-Alexanders Ende April besonders spannend.

Unter Studenten wurde in dieser Zeit häufig diskutiert, welche Funktion das Königshaus für die Niederlande hat und wie das Zusammenspiel zwischen Politik und Monarchie am besten aussehen sollte. Denn obwohl sich der Großteil der niederländischen Studenten für die Monarchie ausspricht, gibt es Meinungsverschiedenheiten bezüglich der konkreten Rolle.

Iris Romein
Iris Romein

Beim Fahrradfahren zur Uni erklärte mir meine Kommilitonin Iris Romein, weshalb sie ein so großer Fan der königlichen Familie ist: „Der König bringt Stabilität und Kontinuität in unser politisches System, das in den letzten Jahren oft sehr unruhig war. Außerdem ist der König sehr wichtig für unsere diplomatischen Beziehungen, vor allem, da Holland so eine große Handelstradition hat.“ Das sei vor allem in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens von Vorteil. Auch für die Niederländer selbst sei es einfacher, sich über einen langen Zeitraum mit einem Staatsoberhaupt identifizieren zu können. „Bei Willem-Alexander und Maxima können wir uns vor allem sicher sein, dass sie sich nicht daneben benehmen. Sie haben gute Manieren, Bildung und Stil, was bei Politikern leider nicht immer der Fall ist.“

In der Uni angekommen, stieß Lucas van Oppen zu unserem Gespräch hinzu. Er sei immer gegen die Monarchie gewesen, weil es teuer und undemokratisch sei, das Königshaus aufrecht zu erhalten. Bei der Abdankung von Prinzessin Beatrix habe er jedoch gemerkt, dass ihm trotz allem etwas am Königshaus liegt: „Für die Niederlande ist es total wichtig, dass wir eine Königin oder einen König haben, die uns alle zusammenhalten. Wir Niederländer sind so individualistisch, dass wir am liebsten alle unseren eigenen Staat hätten. Aber das Königshaus bringt uns Respekt füreinander bei und eint das Volk unter seinen Traditionen.“

Sjors Aartsen
Sjors Aartsen

Diese Vorteile eines Königs gegenüber einem Präsidenten sieht auch Sjors Aartsen. Er denkt aber, dass sich das System über einen längeren Zeitraum hinweg zu einer zeremoniellen Monarchie wandeln wird. „Die Leute hier werden immer fortschrittlicher und rebellieren gegen Traditionen. Der König ist nicht demokratisch gewählt und sollte deshalb keinerlei politische Macht mehr besitzen, sondern sich auf eine rein repräsentative Funktion beschränken.“ Folglich wäre der König nicht mehr Teil der Regierung, neue Gesetze hingen nicht mehr von seiner Zustimmung ab und er hätte kein wöchentliches Beratungsgespräch mehr mit dem Ministerpräsidenten. Doch bis die Niederländer wieder rational über ihr Königshaus nachdenken, dürfte es noch eine Weile dauern. Momentan sind die meisten weiterhin damit beschäftigt, von Willem-Alexanders reizender Familie bei der Thronübergabe zu schwärmen.

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