CC BY-NC-ND 2.0 Tonymadrid Photography

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Spanien: Dünne Berichterstattung zu TTIP

Die beiden größten spanischen Zeitungen behandeln das Thema nur am Rande

Wer Patricia Rodríguez Olalla ins Gesicht sagen würde, Spanien interessiert das zur Debatte stehende Handelsabkommen der USA und Europa nicht, erzielte höchstwahrscheinlich den gleichen Effekt, als böte er ihr an, in eine Zitrone zu beißen. Die Ignoranz ihrer Landsleute schmerzt sie. In aufgewühltem Schreibstil argumentierte Olalla in einem Leserbrief an die spanische Zeitung El País gegen TTIP.

Natürlich lassen sich Stimmungen innerhalb verschiedener Staaten außerhalb von groß angelegten statistisch belastbaren Umfragen schwer messen. Der Grad des Ausmaßes der Onlineberichterstattung kann allerdings sehr leicht bestimmt werden: Anhand der Anzahl der Artikel.

Um diese einordnen zu können, muss vorausgeschickt werden, dass Spaniens Zeitungsmarkt von zwei Oligopolisten dominiert wird: Der linksliberalen El Pais und der rechtskonservativen El Mundo.

El Pais – ein kurzer Schlagabtausch

Bei El Pais fällt schnell auf, dass die Berichterstattung möglichst ausgewogen gestaltet wird. In 75 Artikeln verlinken die Redakteure der Zeitung das Schlagwort TTIP, verrät die webseiteneigene Suchmaschine. Die Artikel können nach Datum oder der Häufigkeit der Abkürzung „TTIP“ sortiert werden. So wird zum Beispiel mit unterschiedlichen Meinungen in Leserbriefen eine einschlägige Positionierung des Blattes vermieden. Patricia Rodríguez Olalla prangert an, dass „unsere Regierungen nicht im Interesse des Gemeinwohls handeln und das Abkommen im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen, die Umwelt, die Ernährungsweise und viele andere Faktoren schadet.“ Der Journalist Javier Guzman stützt in einem weiteren Artikel in „El País“ ihre These. „Sämtliche Konzerne klagen seit Jahren vor der WTO gegen die hohen Hürden der EU im Vertrieb von Nahrungsmitteln. Jetzt scheint die Stunde gekommen zu sein, in denen sie durch die Verhandlungen bestärkt werden.“

Knappe zehn Tage nach dem Artikel von Olalla widerspricht ihr der Direktor der Europäischen Kommission in Spanien, Francisco Fonseca Morillo in einem Leserbrief. Seiner Meinung nach handle es sich um ein Abkommen, das über ein großes Potenzial hinsichtlich Fortschritt und Wachstum verfüge. „Der Zugang zu neuen Märkten erleichtert zum Beispiel auch öffentliche Ausschreibungen. Das eröffnet vor allem für Klein- und Mittelständische Betriebe neue Möglichkeiten.“

US Botschafter Anthony L. Gardner pflichtet ihm bei: In der USA gäbe es keinen Diskussionsbedarf über das TTIP-Abkommen. Seiner Meinung nach seien die Verhandlungen zwischen USA und EU die transparentesten seit Beginn der Wirtschaftskooperation.

 

 

El Mundo – Mallorca will kein TTIP

In der Suchmaschine der El Mundo fällt sofort ins Auge: Der erste genannte Artikel spricht die positive Haltung der deutschen Konzerne zum TTIP an. Dabei hebt die Zeitung vor allem BMW hervor. Dieter Zetsche prangert stellvertretend den finanziellen Verlust der Konzerne an. Durch unterschiedliche Regelungen in Europa und den USA müssen die Autos mit verschiedenen Rückspiegeln ausgestattet werden. Außerdem sind die Vorgaben bei Crash-Tests in der EU anders, als in den USA.

Neben den inhaltlichen Fragen ist schon bemerkenswert, dass in einer spanischen Zeitung erst einmal die deutsche Ansicht thematisiert wird. Scheinbar interessiert die deutsche Meinung mehr als die Eigene.

Das zweite Ergebnis der Internetsuche bezieht sich auf die spanische Politiklandschaft: Eine Interessensgemeinschaft auf Mallorca möchte auf der nächsten Gemeindeversammlung Maßnahmen gegen TTIP fordern. „Das Abkommen zerstört die Demokratie und privatisiert öffentliche Leistungen.“ Insgesamt fällt die Resonanz jedoch bedeutend dünner aus als bei El Pais: 19 Artikel sind unter dem Schlagwort zu finden. El Mundo scheint TTIP nicht im Fokus der Berichterstattung zu haben.

 

Deutsche Onlineportale bieten bis zu 100 Artikel mehr zu TTIP

Die Berichterstattung von El Mundo Online umfasst somit ein Drittel weniger Artikel zum Abkommen, als es in der Onlinezeitung El Pais der Fall ist. Mit dem Blick auf Deutschland sieht etwas dünn aus (Mit einer Ausnahme: Das Onlineportal Bild.de zeigt ebenfalls nur 49 Einträge zu TTIP an). Führt man die gleiche Prozedur beispielsweise auf der Seite der Zeit Online durch, stößt man auf 171 Ergebnisse zum Thema. Die Seite taz.de präsentiert zwanzig Artikel mehr zum Thema.

Natürlich kann auf der Grundlage dieser Kurzanalyse kein abschließendes Urteil zur spanischen TTIP Berichterstattung gefällt werden. Dennoch entsteht beim Blick auf die Onlinenagebote der beiden größten Zeitungen des Landes der Eindruck, dass TTIP in Spanien eher ein Randthema ist. Die Journalisten, aber offenbar auch die Bevölkerung , haben zurzeit ganz andere Themen.

 

 

 

 

Beitragsbild CC BY-NC-ND 2.0 Tonymadrid Photography

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