Foto: Dennis Skley

Stimmt es eigentlich, dass …?

Über die Europäische Union herrscht immer noch viel Unwissenheit. In dieser neuen Rubrik “Stimmt es eigentlich, dass …?” zeigt “Europa und wir” Mythen und Missverständnisse auf. Folge 1: Stimmt es eigentlich, dass der Euro von Anfang an ein “Teuro” war? 

Von Sonje Schwennsen

Foto: Dennis Skley
Foto: EURO 2013 von Dennis Skley, Lizenz: CC-BY-ND 2.0

Der Euro war doch immer schon … na was? Genau: ein Teuro – jedenfalls, wenn es nach dem deutschen Volksmund geht. Das Kofferwort „Teuro“ spiegelt die Idee wider, dass die Einführung der Einheitswährung zu einer ungewöhnlichen Preissteigerung, also einer hohen Inflation, geführt hat. Aber stimmt das eigentlich?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Tatsächlich ist seit 2002 die Teuerungsrate im Euroraum sehr niedrig gewesen. Im Gegensatz dazu erlebte das wiedervereinigte Deutschland am Anfang der 90er Jahre unter der ach so stabilen D-Mark stark steigende Preise: 1992 lag die Inflationsrate sogar bei über fünf Prozent. (Eine Infografik vom Statistischen Bundesamt finden Sie hier) Hauptverantwortlich für die geringe Inflation heutzutage ist die Europäische Zentralbank, der die EU-Verträge als erstes und wichtigstes Ziel vorschreiben, für Preisstabilität im Euroraum zu sorgen. Definiert hat die europäische Institution das als eine mittelfristige Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent – dieser Wert gilt aus volkswirtschaftlicher Sicht gemeinhin als ideal. Zwar lag die tatsächliche Teuerungsrate im Euroraum seit 2002 im Schnitt etwas über zwei Prozent, aber auch diese Preissteigerung gilt noch als niedrig. Der Euro ist also kein Teuro.

Woher stammt aber dieser Mythos? Das entscheidende Stichwort ist die gefühlte Inflation, also wie die Bürger die Preisentwicklung wahrnehmen. Die gefühlte Teuerungsrate lag nach Einführung des Euros deutlich über der tatsächlichen Preissteigerung. Dafür gab es mehrere Gründe.  Besonders die Preise von Alltagsprodukten und häufig beanspruchten Dienstleistungen erhöhten sich: Der Cappuccino oder der Friseurbesuch wurden beispielsweise oft teurer. Viele Dienstleister nutzten die Gelegenheit, um ihre Preise auf den neugedruckten Euro-Preislisten etwas anzuheben.

Zudem stiegen Anfang 2002 die Lebensmittelpreise vor allem für Obst und Gemüse, was allerdings weniger durch die Einführung des Euro, sondern vielmehr durch eine ungewöhnliche Kältewelle in Südeuropa bedingt war. Somit verteuerten sich vor allem Produkte und Dienstleistungen, für die der Ottonormalverbraucher im Alltag regelmäßig ins Portemonnaie greift. Das prägte das Image des Teuros. Weniger Aufmerksamkeit erfuhren hingegen langlebige Gebrauchsgüter wie MP3-Player und Computer, die im gleichen Zeitraum günstiger wurden. Auch die Mieten stiegen nicht als Reaktion auf die Euro-Einführung. Daher sank die Teuerungsrate 2002 sogar leicht im Vergleich zum Vorjahr.

Letztendlich haben auch die Medien ihren Teil dazu beigetragen, den Mythos des Teuro in den Köpfen der Deutschen zu festigen. Das Nachrichtenmagazin Focus titelte bereits im Jahr 2001 „Vorsicht, Teuro!“. Ein Jahr später, im Jahr der Euro-Einführung, wurde der Begriff sowohl in Deutschland als auch in Österreich zum Wort des Jahres gewählt. Der Teuro-Mythos war geboren.

Die Debatte 1 Kommentar

  1. 1.

    Ich möchte dazu beitragen, meine Begeisterung für “unser” Europa mit vielen Menschen zu teilen.
    Vielleicht ist es Ihnen möglich mich daei zu unterstützen!
    Mit freundlichen Grüßen
    M. Schäffer