"Mal schauen, ob das etwas bringt". Viele gesellschaftliche Gruppen gehen auf die Straße.

Streik statt Studiengebühren

Gegen eine geplante Bildungsreform in ihrem Land gehen viele Spanier auf die Straße. Sie fürchten, dass die Kosten weiter steigen und die Qualität sinkt. Auch Professoren streiken mit. 

Von Julia Gurol

Huelga General De Educacion - Bildungsstreik in Granada
Huelga General De Educacion – Bildungsstreik in Granada

Wer am Morgen des 9. Mai die philosophische Fakultät der Universität von Granada betreten will, den erwartet ein eher eigentümliches Bild: ausgestorbene Flure und eine beinahe unheimliche Stille! Von plaudernden Studentengrüppchen, Schlangen vor den Kaffeeautomaten und gestressten Professoren keine Spur – stattdessen Plakate, Spruchbänder und abgesperrte Türen überall.

„Huelga General de Educacion“ kündigt ein mannsgroßes Plakat bereits am Eingang an: Bildungsstreik. Aufgehängt hat das Plakat José Manuel, Politikstudent im 4. Semester. „Warum wir auf die Straße gehen? Weil wir für unser Recht auf freie Bildung eintreten wollen. Es kann doch nicht sein, dass Bildung in Zukunft zum Privileg der Reichen wird.“

Studieren in Spanien – das kostet: Zwischen 500 und 900 Euro liegen die Studiengebühren pro Semester an einer staatlichen Universität. Diese sind jedoch oft überfüllt, sodass als Alternative nur der Besuch einer privaten Universität bleibt. Die Kosten dafür sind jedoch horrend: Bis zu 6000 Euro pro Jahr kann der Besuch einer solchen „Universidad privada“ kosten.

Doch nicht nur die Studenten machen an diesem Tag ihrem Unmut über die geplante Bildungsreform der Regierung Luft – auch Schüler und Professoren, Kindergärtner und Grundschullehrer gehen auf die Straße: LOMCE nennt sich der Grund für ihren Streik, ein Gesetzentwurf zur Verbesserung der Qualität des Bildungswesens.

"Mal schauen, ob das etwas bringt". Viele gesellschaftliche Gruppen gehen auf die Straße.
“Mal schauen, ob das etwas bringt”. Viele gesellschaftliche Gruppen gehen auf die Straße.

Was sich zunächst blumig anhört, ist nur der Deckmantel für massive Kürzungen im Bildungssystem und die zunehmende Privatisierung der spanischen Bildung. Die Sparmaßnahmen, die Spanien sich auferlegt hat, treffen insbesondere das öffentliche Bildungswesen. Größere Klassen, weniger Lehrer und Einschnitte bei Stipendien – damit will die Politik das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen und rund 3 Milliarden Euro einsparen. Und es wird befürchtet, dass die Studiengebühren noch weiter steigen. Für José Manuel ein Skandal. Ohne die Chance auf Bildung, meint er, habe doch bald niemand mehr die Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Warum sollen wir jungen Leute für das Finanzdefizit büßen? Schon jetzt können sich viele kein Studium mehr leisten. Und ohne Bildung, was wird dann aus uns?“.

Mit Parolen wie „Stoppt den Tod der öffentlichen Bildung!“, „Nein gegen LOMCE“ und „Gegen die Privatisierung der Bildung“ protestieren José Manuel und seine Kommilitonen gegen die geplante Reform. Auch Gewerkschaften und Elternvereinigungen beteiligen sich an den Demonstrationen – ebenso wie viele Professoren. Carlos Cueto, Professor für Politikwissenschaften, bezweifelt hingegen die Wirkung des Streiks. „Mal schauen, ob das etwas bringt“, meint er skeptisch. „Aber es ist immer gut, für sein Recht einzustehen.“ Auch wenn dadurch schon zum dritten Mal in diesem Semester wegen Streik die Uni ausfällt.

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