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Was passiert mit Irland, wenn Großbritannien austritt?

Neue Publikation analysiert die Folgen eines britischen EU-Austritts für Irland

In gut einem Monat wählt Großbritannien ein neues Unterhaus. Es ist eine historische Wahl mit Bedeutung für Gesamteuropa. Denn je nach Wahlausgang folgt im Jahr 2017 ein Referendum über den EU-Austritt der Briten. Im benachbarten Irland unterhält man besonders enge Verbindungen zu Großbritannien und blickt diesem Austritts-Szenario mit Sorge entgegen. Einer der führenden irischen Think Tanks veröffentlicht heute eine brisante Analyse zum Thema – und das in einer Zeit, in der bereits eine erste Arbeitsgruppe für die irische Regierung die Zeit nach dem Austritt planen.

„Wir glauben, dass es am besten für Irland wäre, wenn Großbritannien ein EU-Mitglied bleibt und dass jegliche politische und diplomatische Strategie Irlands darauf abzielen sollte, diesen Ausgang sicher zu stellen“, kommentieren Tom Arnold und James Kilcourse in der Irish Times. Unmissverständlich nehmen die beiden Autoren damit die Ergebnisse ihrer Studie vorweg, die in dieser Woche vom Institut für Internationale und Europäische Angelegenheiten in Dublin vorgestellt wird. Der Titel ihrer Arbeit: Britain and Europe: The Endgame. An Irish Perspective. Die Autoren betrachten die Verflechtungen zwischen Großbritannien und Irland, analysieren, wie sich ein EU-Großbritanniens auf die irische Wirtschaft auswirken würde, entwerfen ein Szenario für eine EU ohne die Briten.

Es dürfte sich um eine Arbeit handeln, die auf fruchtbaren Boden fallen könnte. Denn tatsächlich wappnet sich die irische Regierung seit vergangener Woche auch realpolitisch für einen Austritt der Briten aus der EU. Im Büro des Premierministers wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich auf den Austritt Großbritanniens vorbereiten soll.

Doch woher rührt diese Nervosität der Iren?

Seit Irland 2013 das Hilfsprogramm der Troika verlassen hat, hat sich die wirtschaftliche Lage verbessert. Das gegenwärtig wohl wichtigste Ziel Irlands ist die Wirtschaftsleistung weiterhin auszubauen. Dabei ist Großbritannien ein Haupthandelspartner Irlands und dessen wichtigster Exportmarkt. Der Aufwärtstrend der irischen Wirtschaft ist deshalb eng mit britischem Wirtschaftswachstum und Investitionen verknüpft und mittelfristig geht eine gesundende Wirtschaft in Irland deshalb wohl nur mit einer gesunden, stabilen und berechenbaren Wirtschaftslage in Großbritannien einher.

Irland dürfte deshalb keinesfalls ein Interesse daran haben, dass das Wirtschaftswachstum in Großbritannien ausgebremst oder durch Handelshemmnisse erschwert wird. Diese Gefahr bestehe jedoch bei einem Austritt Großbritanniens, schreiben die Macher der Studie, Arnold und Kilcourse.

Irland bald in Bedrängnis?

Irland könnte deshalb bald vor einem massiven Dilemma stehen. Bereits bei ersten britischen Rufen nach einem EU-Austritt im Jahr 2013 betonte der Staatsminister für Europäische Beziehungen, Paschal Donohoe, die uneingeschränkte Mitgliedschaft Irlands in der EU. Irland sei ein integriertes und engagiertes Mitglied und das müsse so bleiben. „Diese Frage ist von so hohem nationalen Interesse, dass wir uns nicht mitreißen lassen von Entscheidungen, die andere treffen“, sagte Donohoe damals.

Als mögliche Lösungen schlagen die Macher der Studie eine Vermittlerrolle Irlands in den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU vor.

Zum einen zwingt die wirtschaftliche Abhängigkeit vom britischen Nachbarn Irland zur Kooperation. Zum anderen muss sich Irland bei einem Austritt Großbritanniens mehr nach Kontinentaleuropa orientieren, wenn es selbst weiterhin in der EU bleiben will. Ansonsten, warnen Arnold und Kilkourse, drohe eine Entfremdung zwischen Irland und anderen EU-Partnern.

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