Die drei Doktorandinnen tauschen sich über ihre Forschungen aus

“Wer Karriere machen will, der kommt nach Deutschland”

Das sagen zumindest die drei Studentinnen Marina, Ivana und Aida. Die drei forschen für ihre Doktorarbeiten am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig – selbstverständlich ist das für keine von ihnen.

Marina ist 25 und kommt ursprünglich aus Spanien. Bevor sie vor einigen Monaten nach Deutschland gezogen ist, hat sie in Sevilla Biologie studiert. Durch einem Erasmusaustausch kam sie schließlich an die TU Braunschweig. Austausche wie das Erasmus-Programm der Europäischen Union haben einen merklichen Einfluss auf die Mobilität von Studierenden und jungen Akademikern. Einem Bericht des DAAD zufolge bleibe mehr als ein Drittel derjenigen, die zum Studieren nach Deutschland kommen, auch nach Ihrem Austausch hier, um zu arbeiten oder zu forschen.

Nachdem Marina die Zusage der TU erhielt, hier ihre Promotion beenden zu können, sei ihr sofort klar gewesen, dass sie vorerst nicht nach Spanien zurückkehren würde: „Ich habe dort einfach keine berufliche Zukunft für mich gesehen. In Deutschland habe ich ganz andere Möglichkeiten“. Es sei hier einfacher, ein eigenes Forschungsprojekt zu realisieren und die Unterstützung zu bekommen, die man braucht, erzählt sie.

Die wandernde Generation

Der Anfang in Deutschland sei jedoch sehr schwer gewesen: „Während meines Erasmusaufenthalts habe ich mich hier nicht sehr willkommen gefühlt.“ Zum einen hatte sie mit den „wohl typischen Erasmusproblemen“ zu kämpfen: Überbuchte Lehrveranstaltungen und Pflichtkurse, die sie als Austauschstudentin aber nicht besuchen konnte. Viel schlimmer aber empfand sie die Ablehnung der meisten deutschen Studierenden: „In den ersten Wochen hat kaum jemand mit mir geredet. Ich habe es immer wieder auf Englisch versucht, denn ich wusste aus den Seminaren, dass die meisten meiner Mitstudenten Englisch sprechen – aber das Interesse der anderen war einfach nicht da.“

Nach ein paar Monaten sei es zwar einfacher geworden, Kontakte zu knüpfen, so richtig zuhause fühlt sich Marina in Deutschland aber immer noch nicht. „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung am Institut und kann mir gut vorstellen, nach meiner Promotion weiterhin hier zu arbeiten.“

Es wäre natürlich toll, wenn die Arbeitsmarktsituation in Spanien eines Tages wieder so sei, dass sie ohne Probleme in ihr Heimatland zurückkehren könnte. „Erst mal glaube ich aber, dass unsere Generation wohl ein bisschen herumziehen muss, bis wir unseren Platz finden“.

Forschung braucht Förderung

Ihre beiden Kommilitoninnen Ivana und Aida stimmen ihr zu. „Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich hier studieren und forschen darf“, erzählt Ivana (26), die wie Aida ursprünglich aus Kroatien kommt. „Wenn du hier deine Ideen für das Projekt vorstellst, wird dir sofort Unterstützung angeboten und dein Vorhaben gleich umgesetzt.“ Das habe sie auch schon anders erlebt, nicht nur in Kroatien. Nach ihrem Bachelor in Zagreb hat sie in Orléans und Paris studiert: „Da waren die Bürokratiehürden für alles enorm, das hat viel Zeit gekostet.“

Aida (26) ergänzt: „Gerade wenn man ein konkretes Forschungsvorhaben hat wie wir, bietet Deutschland einfach ein sehr gutes Umfeld. Nach ihrem Studium in Rijeka bewarb sie sich auf eine Promotionsstelle an der Medizinischen Hochschule Hannover, wegen ihres Schwerpunkts Immunologie wechselte sie schließlich an das Helmholtz-Zentrum. „In der Wissenschaft reichen gute Ideen allein nicht aus. Forschung ist teuer und aufwendig und in Deutschland ist die Förderung ausgereifter.“ Vieler ihrer Freunde aus Kroatien suchten auch jetzt, zwei Jahre nach dem Studienabschluss, noch eine Stelle.

Förderungsmaßnahmen wie die Doktoranden Initiative DOIT am Helmholtz-Zentrum, durch die sich die drei jungen Forscherinnen kennen gelernt haben, seien eine große Unterstützung bei der Arbeit am eigenen Forschungsprojekt.

Ivana ergänzt: „Es ist nicht so, dass ausländische Studierende schlechter ausgebildet wären, aber in unseren Heimatländern gibt es weder Jobs noch Weiterbildungsmöglichkeiten für junge Akademiker“. Wie auch in Aidas Umfeld gebe es für die meisten Absolventen in Kroatien kaum eine Aussicht auf eine Stelle nach dem Studium. Ins Ausland zu gehen, sei dann die beste Alternative.

Ivana erzählt, es mache sie traurig, dass sie nicht in der Nähe ihrer Familien arbeiten können. „Meine Eltern waren begeistert, als ich den Platz hier in Braunschweig bekam. Sie wissen, dass die Situation hier besser ist“, erklärt Ivana.

„Natürlich würde ich gerne in Kroatien arbeiten: Aber es ist eine Sache, was man will und eine andere, was möglich ist“, ergänzt Aida.

 

 

 

 

 

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