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Zweikämpfchen

Bilder: CC BY 2.0 Marc Nozell

Bei den Demokraten geht der Vorwahlkampf mit dem ersten TV-Duell richtig los. Beobachtungen aus Los Angeles.

Das Regent Theater im Zentrum von Los Angeles ist passend hergerichtet. Drei Journalisten des Veranstalters Los Angeles Times haben ein Bingo-Spiel entworfen und einen Ausdruck auf jeden der Plastikstühle gelegt, die halbkreisförmig vor der Leinwand aufgebaut sind. Es gibt unter anderem diese Felder: Trump wird gedisst, Sanders wird als Sozialist bezeichnet und es fällt ein „Was in Vegas passiert…“-Witz.

Dazu zwei Papptafeln. Eine mit einem grünen Daumen nach oben und der Aufschrift „Love it“ – Liebe es und eine mit nach unten gerichtetem roten Daumen und der Aufschrift „Hate it“ – Hasse es.

Etwa 150 Leute sind zu dieser „Watch-Party“ gekommen. Eine beachtliche Zahl. Schließlich wird parallel auch ein entscheidenes Playoff-Spiel der Baseball-Mannschaft Los Angeles Dodgers im Fernsehen übertragen. Baseball-Playoffs und Fernsehduell – da ist es schwer sich zu entscheiden. Selbst Präsident Barack Obama hatte über seinen Sprecher erklären lassen, er werde sich das TV-Duell zwar anschauen, ab und an aber auch zum Baseball rüberzappen.

Dass die sportverrückten Amerikaner sich trotzdem für die Debatte interessieren, ist ein gutes Zeichen vor dieser Wahl. Und so ist es nicht nur in Los Angeles. Das gesamte Land schaut zu und nimmt teil. Bei Twitter gibt es am Dienstagabend zum Hashtag #DemDebate knapp zweieinhalb Millionen Tweets.

Auch für Europa ist die Präsidentschaftswahl 2016 von großer Bedeutung. Vor allem im Nahen Osten gibt es Herausforderungen, die nur zusammen zu bewältigen sind. Darüber hinaus wird der Abschluss des gemeinsamen Freihandelsabkommens vorangetrieben. Wie sich die Beziehungen zwischen den USA und Europa gestalten werden, hängt stark davon ab, wer im Januar 2017 als neuer Präsident vereidigt wird. Die Positionen der Kandidiaten unterscheiden sich stark.

Politik für junge Wähler

Kalifornien ist als sogenannter „Blauer Staat“ eine Hochburg der Demokraten. Seit 1992 gab es bei der Präsidentschaftswahl immer eine Mehrheit für den demokratischen Kandidaten. Die Zuschauer an diesem Abend sind ebenfalls überwiegend der demokratischen Seite zuzuordnen. Es sind viele junge Amerikaner zwischen 20 und 30 Jahren gekommen.

Das Publikum hat einen klaren Favoriten: Bernie Sanders, 74 Jahre alt, Senator aus dem Bundesstaat Vermont. Ein demokratischer Sozialist, wie er sich selbst bezeichnet. Mit seinen Forderungen nach kostenloser Universitätsbildung, einer Energiewende, gerechterer Einkommensverteilung und weniger militärischen Engagement kann er bei den jungen Wählern punkten.

„Er ist für die Menschen da“, sagt Grandy (27) nach der Debatte. „Man kann spüren, mit wie viel Leidenschaft er dabei ist.“ Grandy glaubt bei ihm eine Eigenschaft auszumachen, die sie bei anderen Kandidaten vermisst: „Seine Positionen sind konsistent.“

Meinungswandel

Zwar gerät bei der Debatte auch Sanders einmal in Schwierigkeiten, als Moderator Anderson Cooper ihn auf sein Abstimmungsverhalten zum Waffenbesitz anspricht. Den Vorwurf der Beliebigkeit muss sich aber vor allem Hillary Clinton anhören. Für eine plötzliche Meinungsänderung haben die Amerikaner das Wort „flip-flop“ erfunden. Clinton werden viele flip-flops vorgeworfen. Jüngstes Beispiel: Die Transpazifische Partnerschaft (TTP), die sie erst lange unterstütze, mittlerweile aber ablehnt.

Überhaupt: Konsistenz und Leidenschaft. Zwei Eigenschaften, die in diesem Wahlkampf von zentraler Bedeutung sind. Das politische Establishment hat bei einem Teil der Wähler einen schlechten Ruf. Mit Donald Trump oder Ben Carson haben auf republikanischer Seite zwei Kandidaten mit radikalen Ansichten die besten Umfragewerte. In diese Nische stößt auch Sanders. Wer kein zweites Mal den Namen Clinton am Klingelschild des Weißen Hauses lesen möchte, der unterstützt eben Sanders.

Die amerikanischen Leitmedien werden anschließend überwiegend Clinton zur Siegerin des Aufeinandertreffens erklären. Für die Favoritin war es eine dankbare Debatte. Fürchten muss sie ohnehin nur Sanders, die anderen Kandidaten haben Umfragewerte im unteren einstelligen Bereich und sind chancenlos. Doch ausgerechnet Sander springt Clinton im heikelsten Moment zur Seite als er zur E-Mail Affäre sagt: „Die Amerikaner sind es leid, von dieser E-Mail-Sache hören zu müssen.“

Schützenhilfe von Trump?

Das TV-Duell war auch so etwas wie das Spiegelbild des bisherigen Wahlkampfes auf demokratischer Seite. Es ist ein Zweikämpfchen. Clinton hat mit Abstand die größte politische Erfahrung. Sanders versucht, sie links der Mitte zu überholen. Er will eine politische Revolution beginnen.

 

Damit hat er zwar Erfolg bei jungen kalifornischen Wählern und in sozialen Netzwerken (1.7 Millionen Facebook-Likes). as Problem: Seine Poitionen sind weit links des Medians. Daher die Frage: Kann er sich mit diesen Positionen landesweit gegen Clinton durchsetzen? Und anschließend die Wahl zum Präsidenten gewinnen?

„Auf jeden Fall“, sagt Gracey.

Andere sind da weniger optimistisch. Am Ende werde sich Clinton durchsetzen, sagt Andrew, ein Mittvierziger. „Aber Sanders kann vielleicht dafür sorgen, dass sie etwas progressivere Positionen übernimmt.“ Er ist weder besonders für Clinton, noch für Sanders. Er werde den Demokratischen Kandidaten wählen – egal wer es wird. Fast wichtiger scheint ihm zu sein, wer auf republikanischer Seite antritt. „Ich hoffe auf Trump. Dann sind die Chancen für die Demokraten am größten.“

 

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